Bertelsmann/Sony Es werde Musik

Die Ehe ist perfekt. Bertelsmann und Sony haben sich endgültig auf eine Fusion ihrer Musiksparten geeinigt. Damit steht der Gründung von Sony-BMG nichts mehr im Weg. Nun müssen die Kartellwächter entscheiden.

New York - Die Bertelsmann AG und Sony  haben sich endgültig auf eine Fusion ihrer Musiksparten geeinigt. Der Gütersloher Medienkonzern bestätigte am Freitagnachmittag einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal". Die Aufsichtsgremien der beiden Konzerne haben der Zusammenlegung von Teilen der BMG und Sony Music zugestimmt. Die Ehe ist perfekt.

Sony und Bertelsmann hatten Anfang November eine nicht bindende Absichtserklärung unterzeichnet, der zufolge sie ihre Musiksparten Sony Music und BMG fusionieren wollen. Das neue Unternehmen soll Sony-BMG heißen, die Konzerne sind mit jeweils 50 Prozent beteiligt. Der Hauptsitz liegt in New York.

Vom Zusammenschluss nicht betroffen sind die Musikverlage, die Auslieferung und die CD- und DVD-Produktion. Auch das Sony-Musikgeschäft in Japan nicht in das neue Unternehmen einbezogen. Dadurch wären die fusionierenden Bereiche von Sony Music und BMG etwa gleich stark. Das Einsparvolumen durch die Fusion wird auf 250 bis 300 Millionen Euro geschätzt.

Schneller Entschluss

Rolf Schmidt-Holtz, derzeit Chairman und Chief Executive Officer von BMG, soll dem Letter of Intent zufolge Aufsichtsratsvorsitzender (Chairman of the Board) des neuen Gemeinschaftsunternehmens werden. Der Vorstand von Sony-BMG soll demnach zur Hälfte mit Vertretern von Sony und Bertelsmann besetzt werden. Vorstandschef des neuen Unternehmens soll der Sony-Manager Andrew Lack werden, derzeit Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Sony Music Entertainment.

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen hatte im November erklärt, dass bei der Fusion "kein Cash fließen" werde. Informierte Kreise berichten, dass auf Bertelsmann-Seite Renate Krümmer maßgeblich an den Verhandlungen mit Sony beteiligt war. Sie soll in leitender Position den Vertrag mit ausgehandelt haben. Krümmer war auch schon am Verkauf der Fachverlagssparte Bertelsmann/Springer an die Investorengruppe Cinven und Candover beteiligt. Branchenkenner äußerten sich überrascht, dass Bertelsmann und Sony sich offenbar derart schnell auf eine Fusion einigen konnten.

Unklar bleibt jedoch, wie die Aussichten auf eine Genehmigung durch die Kartellbehörden für die Fusion von BMG und Sony Music sind. Vor gut drei Jahren verhinderten die Wettbewerbshüter schon einmal einen Zusammenschluss von BMG und der EMI Group . Angeblich sollen die Behörden aber nun signalisiert haben, dass sie einer Fusion zustimmen könnten. Über mögliche Auflagen ist nichts bekannt. Kenner rechnen mit einem mehrere Monate andauernden Prüfverfahren der Ämter.

Peter Dombeck, Analyst der Berenberg Bank in Hamburg, äußerte sich gegenüber manager-magazin.de ebenfalls vorsichtig. Er geht davon aus, dass die Chancen der kartellrechtlichen Genehmigung wohl etwas besser als 50 zu 50 seien. Bei einem Zusammenschluss käme Sony-BMG etwa auf einen Marktanteil von 26,7 Prozent. Der bisherige Marktführer Universal Music fällt dann mit 25,9 Prozent auf Platz zwei.

Kampf gegen Umsatzrückgänge

Die Musikkonzerne kämpfen derzeit mit erheblichen Umsatzeinbrüchen. Für dieses Jahr wird mit einem Rückgang von rund 10 Prozent gerechnet. Die fünf großen Konzerne Universal Music, Warner Music, Sony Music, EMI Group und BMG suchen deshalb nach Wegen aus der Krise.

Erst vor wenigen Wochen wanderte der Musikkonzern Warner Music in die Hände eines Konsortiums um den Unternehmer Edgar Bronfman Jr.. Dieser hatte danach bekannt gegeben, die Kosten reduzieren zu wollen, sowie neue Vertriebswege zu finden beziehungsweise sich dafür einzusetzen, aus illegalen Vertriebswegen legale Wege zu machen.

Kostenreduktion und neue Vertriebswege seien die beiden bestimmenden Themen der Musikbranche in den nächsten Monaten, meint Dombeck. Jedoch müssten sich die Unternehmen auch überlegen, wie sie mehr Umsätze generieren könnten. Er befürchtet, dass sich BMG und Sony Music im Zuge der Fusion möglicherweise zu sehr auf sich selbst konzentrieren könnten.

Bertelsmann-Chef Thielen hat naturgemäß eine andere Hoffnung: "Sony und Bertelsmann teilen miteinander die Vision, dass diese Vereinbarung die Grundlage für ein Unternehmen ist, das sich auf das kreative Kerngeschäft konzentriert", heißt es in der Pressemitteilung.