Virtuelle Beraterinnen Wichtiger als Sex und 1000 Worte

Während das Internetangebot des Arbeitsamtes die biedere Bea ins Rennen schickt, setzt die EnBW-Tochter Yello Strom auf Eve. Die blonde Kölnerin ist 1,78 Meter groß, extrem schlagfertig und fast jugendfrei.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Laut Etatplan 2004 kalkuliert die Bundesanstalt für Arbeit für ihren virtuellen Arbeitsmarkt www.arbeitsagentur.de  Kosten in Höhe von 77 Millionen Euro ein. Dafür muss der Jobsucher nicht nur mit langen Wartezeiten kämpfen, sondern bekommt das neue Angebot auch noch von der zwar freundlichen, aber sehr biederen virtuellen Beraterin "Bea" präsentiert.

Doch für Bea-Gelangweilte gibt es im Netz eine Alternative: "Eve" von Yello Strom . "Sie haben sicher die eine oder andere Frage zum Thema Strom, oder chatten wir einfach nach Lust und Laune", beginnt die in einem engen, gelben T-Shirt gewandete Avatarin den Dialog ganz harmlos. Doch was dann kommt, überrascht jeden User.

Bereitwillig gibt Eve Auskunft über Größe, Körpergewicht und Hobbys. "Sie können mich beglückwünschen: Seit meiner letzten Diät bin ich wieder auf meinem Idealgewicht von 58 Kilo", freut sich die nach eigenen Angaben 1,78 Meter große Kölnerin (Eve: "Für mich die schönste Stadt in Deutschland"). Außerdem zählt sie zu ihren Freizeitaktivitäten skaten, lesen, reisen, italienisch kochen (Lieblingsessen: Saltimbocca Romana), shoppen und ihren Freund.

"Sind Sie ein Lover wie er im Buche steht?"

Dass Eve fest liiert zu sein scheint, hält sie aber nicht davon ab, in einen heftigen Online-Flirt einzusteigen. Auf ein Kompliment für ihr attraktives Äußeres antwortet sie zum Beispiel: "Tja, meine Ausstrahlung kommt ja auch nicht von ungefähr - ich sage nur gelber Strom ;-). Und was haben Sie so zu bieten?" Der Hinweis auf ein großes Auto lässt die Fahrerin eines "schwarz-gelben Ford Ka" dann das Tempo in der nächsten Frage verschärfen: "Na schön, Ihr Flirtfaktor steigt ja schon. Und wie steht's mit den klassischen Verführungskünsten - sind Sie ein Lover wie er im Buche steht?"

Ein Bekenntnis des vermeintlichen Stromkunden zur endlosen Zärtlichkeit lässt sie dann aber doch rot werden - eine gelungene und wirklich witzige Animation. "In meiner Beziehung ist mir Zärtlichkeit sehr wichtig. Wichtiger als Sex und 1000 Worte", so Eve etwas verlegen.

"Ich bin nicht Ihr Funkenmariechen"

Wer jetzt glaubt, bei Eve das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben, unterschätzt die Langeweile, die die Programmierer beim Bau der Yello-Seite gehabt haben müssen. Auf den Wunsch "Zieh dich aus!" antwortet Eve "Huch, was tu' ich hier eigentlich - nur weil Sie es sind!?" und beginnt - von einem "zufälligen" Bildausfall teilweise verdeckt, sich ihres T-Shirts zu entledigen.

Ein lüsternes "noch einmal" quittiert sie dann mit einem selbstbewussten "Wie sagt man?" um dann nach dem eingeforderten "bitte" doch auf den Pfad der Tugend zurückzukehren. "Brav! Auch wenn ich Sie verstehe - ich sehe ja nicht schlecht aus -, kann ich Ihrem Wunsch diesmal nicht entsprechen. Ich bin schließlich Video-Dancerin und nicht Ihr Funkenmariechen", beendet sie alle Männerträume.

Ob Eve demnächst von Köln nach Karlsruhe umziehen muss, verrät sie nicht. Sollen die rund eine Million Yello-Kunden doch auf Grund wirtschaftlicher Probleme demnächst von der Zentrale der Mutter EnBW  aus betreut werden. Wenn sie aber lieber im Rheinland bleiben möchte oder ihr wider Erwarten gekündigt wird, kann sie ja bei ihrer "Kollegin" Bea vom virtuellen Arbeitsamt mal nach einem Job fragen.

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