Infineon 700 Millionen Euro winken

Der Chipkonzern verhandelt seit Wochen mit verschiedenen IT-Dienstleistern über das weltweite Outsourcing seiner IT-Infrastruktur. Das Transaktionsvolumen beträgt rund 700 Millionen Euro. Hewlett-Packard soll gute Chancen haben.

München - Die Aussichten klingen viel versprechend. Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 von Infineon  ist sehr gut angelaufen. Wichtige Kennzahlen des Chipherstellers zeigen nach oben, der Markt springt wieder an. 2004 will Infineon schwarze Zahlen ausweisen.

Aus diesem Grund hat sich der Konzern einem drastischen Kostenprogramm verschrieben. Agenda 5-to-1 heißt die Restrukturierungsstrategie, die unter anderem das Auslagern bestimmter Geschäftsbereiche beinhaltet. EDS übernimmt ab 2004 die Lohn- und Gehaltsabrechnung, bei Accenture sind die SAP-Prozesse gelandet.

Über die Auslagerung der weltweiten IT-Infrastruktur - etwa den Betrieb der Desktops, der Server und Software - verhandelt die Siemens-Tochter derzeit ebenfalls. Aus gut informierten Kreisen erfuhr manager-magazin.de, dass Infineon mittlerweile mit vier ausgewählten Unternehmen spricht. Gute Karten soll dabei der Computerkonzern Hewlett-Packard haben. Die Gespräche seien schon weit fortgeschritten, heißt es.

Offiziell wollen sich beide Unternehmen zum Verhandlungsstand nicht äußern. HP-Sprecher Norbert Gelse sagte, zu Spekulationen nehme HP keine Stellung. Infineon-Sprecher Ralph Heinrich bestätigte aber gegenüber manager-magazin.de, dass der Konzern derzeit mit führenden IT-Dienstleistern im Gespräch sei. Namen nannte er nicht. Neben HP gelten IBM , CSC , EDS  und die Siemens-eigene Tochter SBS als Kandidaten.

Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, sagte Heinrich. "Wir rechnen frühestens im März 2004 mit einem Vertragsabschluss." Kreise beziffern das Transaktionsvolumen je nach Leistungsumfang auf etwa 600 bis 700 Millionen Euro. Der Vertrag solle vier Jahre laufen. Der entsprechende Dienstleister wäre dann für den Betrieb, die Wartung und den Einkauf der Desktop-PCs und Server sowie eventuell für einige Bereiche der Softwaresysteme zuständig.

Für HP wäre ein neues Outsourcing-Projekt wichtig. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass ein sicher geglaubter Vertrag voraussichtlich verloren ist. DaimlerChrysler  machte einen Rückzieher. Auch dort sollte HP die Desktops weltweit betreuen. Doch es kam anders. Aus Kreisen hieß es: Nach ernüchternden Erfahrungen in der Pilotphase wolle der Autokonzern das Projekt abbrechen. Ähnlich unschöne Erfahrungen machte auch der Computerkonzern IBM. Die Commerzbank  stoppte überraschend die IT-Auslagerung an Big Blue. Bei beiden Projekten heißt es offiziell, man sei weiter in den Verhandlungen.

Trotz der jüngsten Negativ-Nachrichten werten Experten die Entwicklung bei Outsourcing-Deals nicht als das schnelle Ende eines Modetrends. Vielmehr zeige sich darin die zunehmende Erkenntnis über die Potenziale, die Risiken und den Umsetzungsaufwand. "Solche Verträge sind eine komplexe Angelegenheit", heißt es. Beide Seiten müssten lernen, wie man damit umgeht.