Sparkassen Auf der Suche nach dem Geschäft mit Dritten

Die IT-Tochter Sparkassen-Informatik will vom Outsourcing-Trend profitieren. Das Unternehmen hat sich für 2005 vorgenommen, verstärkt Lösungen für andere Banken anzubieten. Auch weitere Zusammenschlüsse schließt Geschäftsführer Fridolin Neumann nicht aus.

Frankfurt - Die IT-Sparte Sparkassen-Informatik will ihre Dienste künftig verstärkt Dritten anbieten. Im Visier hat das Unternehmen die private Banken. Realistisch sei dies aber erst 2005, sagte Geschäftsführungs-Vorsitzender Fridolin Neumann der "Financial Times Deutschland". Erst dann sei auch die Zeit für weitere Zusammenschlüsse unter den öffentlich-rechtlichen IT-Anbietern gekommen.

Die Sparkassen-Informatik selbst ging bereits 2001 aus der Fusion dreier regionaler IT-Dienstleister hervor. Bisher arbeitet die Sparkassen-Informatik vor allem für die Sparkassen-Institute. Das Unternehmen betreut mittlerweile nach eigenen Angaben mehr als 250 Sparkassen in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Im Oktober hatte die Sparkassen-Informatik zum Beispiel den Rechenzentrumsbetrieb für die rheinischen und rheinland-pfälzischen Sparkassen übernommen, das zuvor von der Sparkassen-Informatik-Services West betrieben wurde.

Aggressiv im Markt

Ein Marktteilnehmer sagte gegenüber manager-magazin.de, dass die IT-Töchter der Sparkassen und Volksbanken den Markt für beispielsweise die Betreuung von Rechenzentren äußerst preisaggressiv angingen. Im Zuge der Outsourcing-Diskussion habe man den Markt entdeckt und wolle nun auf Biegen und Brechen daran teilhaben.

Martin Weitmann, Leiter des Zentralstabs der Geschäftsführung der Sparkassen-Informatik, bestätigte gegenüber manager-magazin.de, dass das Unternehmen derzeit bei verschiedenen Ausschreibung für den Betrieb von Rechenzentren mitmache, die nicht aus dem Umfeld der Sparkassen stammten. Preislich wolle man attraktiv und wettbewerbsfähig sein, gleichzeitig aber auch für Qualität bürgen.

Bankenlösungen für Dritte geplant

Neben den "einfachen" IT-Dienstleistungen will sich die Sparkassen-Tochter auch dem Markt für Softwarelösungen öffnen. Geplant sei, ab etwa 2005 entsprechende Bankenlösungen für Dritte anzubieten, sagte Neumann der "FTD" zufolge. Bis dahin will das Unternehmen die 238 Sparkassen auf eine einheitliche Software überführen. Bisher hätten nur 150 Sparkassen das System der Sparkassen-Informatik OS-Plus im Einsatz.

Angesichts des zunehmenden Kostendrucks hält Neumann eine weitere Konsolidierung des Marktes für betriebswirtschaftlich sinnvoll. Damit meint er weitere Zusammenschlüsse der verschiedenen Sparkassen-IT-Töchter. In Bayern versorgt die IZB die Geldinstitute, für den Norden und Osten ist die Finanz-IT zuständig. Für die Genossenschaftsbanken ist die IT-Firma Fiducia IT AG tätig, die aus dem IT-Dienstleister Fuducia und der Rechenzentrale Bayrischer Genossenschaftsbanken hervorging. Auch sie soll das Geschäft mit Dritten forcieren, was sich Branchenkennern zufolge jedoch in einem allgemein angespannten Markt auch als schwierig darstellt.

Boombranche Outsourcing-Markt

In den vergangen Jahren ist die Zahl der Sparkassen-IT-Anbieter von zehn auf drei geschrumpft. Jedoch sei eine Fusion derzeit kein Thema, so Neumann. Alleine die Sparkassen-Informatik macht jährlich etwa einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Für dieses Jahr erwartet das Haus ein ausgeglichenes Ergebnis, sagte Weitmann.

Dass die Sparkassen-Informatik - wie viele andere IT-Dienstleister auch - vom wachsenden Outsourcing-Markt profitieren möchte, ist anzunehmen. Im Fokus hat sie dabei Finanzinstitute. Dass diese offener für das Thema Auslagerung geworden sind, zeigt nicht zuletzt die Deutsche Bank , die vor einigen Monaten verschiedene IT-Bereiche an IBM  und Accenture auslagerte. Die Commerzbank  wollte ebenfalls IT-Aufgaben abgeben, jedoch scheiterte das Vorhaben zunächst.

Hoffnung auf eine Standardlösung

Vor kurzem hatte die Dresdner Bank zudem bekannt gegeben, dass sie bei der Wertpapierabwicklung künftig mit der DWP Bank zusammenarbeiten wolle, einem Unternehmen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Zuvor waren Verhandlungen zwischen der Dresdner Bank und der Deutschen Bank gescheitert, sich beim Zahlungsverkehr und der Wertpapierabwicklung auf einen gemeinsamen Standard zu einigen.

Neumann hofft indes, eine Bankenlösung zu präsentieren, die auch bei den privaten Banken ankommt. Das Ideal: eine Standardlösung zu schaffen. Hoffnung gibt ihm das DWP-Geschäft. Denn die Berührungsängste zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Geldinstituten schrumpfen ganz offensichtlich.