www.arbeitsagentur.de Zoff der Jobvermittler

Das Arbeitsamt firmiert ab sofort unter einer neuen Internetadresse und kann sich vor Anfragen kaum noch retten. Sehr zum Verdruss der privaten Jobbörsen, die durch die Staatskonkurrenz Arbeitsplätze gefährdet sehen.

Nürnberg - Die Begriffe Arbeitsamt und Jobsuche tauchten in den vergangenen Monaten regelmäßig als häufigste Google-Suchbegriffe auf. Kein Wunder, dass das neue virtuelle Arbeitsamt heute mit technischen Problemen gestartet ist. Die Zentralcomputer der Nürnberger Behörde hatten wegen Serverüberlastung den Ansturm von über einer Million Besuchern in den ersten Stunden stellenweise nicht bewältigt, wie Projektleiter Jürgen Koch sagte.

Der neue Service unter der Internetseite www.arbeitsagentur.de bietet sowohl Arbeitssuchenden als auch Arbeitgebern zahlreiche neue Hilfsmittel. Stellensuchende können Bewerbungsprofile ins Netz stellen, Arbeitgeber Bewerber nach bestimmten Qualifikationen suchen. Außerdem enthält das neue Angebot laut Koch 10.000 mehr Jobangebote als der bisherige Online-Service www.arbeitsamt.de, da mehrere Unternehmen und Internet-Jobbörsen mit der Bundesanstalt zusammenarbeiten.

Als Teil der Reform der Bundesanstalt für Arbeit soll der virtuelle Arbeitsmarkt zu einer schnelleren und effizienteren Vermittlung offener Stellen beitragen. "Hauptunterschied zum alten Angebot ist, dass der Kunde in Zukunft sein Profil selber eingeben kann, und verwalten kann", betonte Koch, "er braucht nicht mehr den Umweg über das Arbeitsamt zu gehen, sondern hat unmittelbar und sofort Zugriff auf das System".

Keine Durchsuchung aller Internet-Jobbörsen

Die umstrittene Meta-Suche unter allen im Internet verfügbaren Stellenangeboten soll nur der BA intern vorbehalten sein und ist nicht Teil des neuen Angebots. "Der Jobroboter wird nur für unsere Mitarbeiter eingeführt und zwar ohne, dass er Jobbörsen und Zeitungsverlage absucht", so Koch.

Gegen den virtuellen Arbeitsmarkt machen seit einigen Wochen die privaten Jobbörsen-Anbieter mobil. "Hier will ein staatlicher Anbieter einen Markt besetzen, der privat schon besetzt ist", sagt Christopher Funk, Geschäftsführer bei Jobpilot. Um sich besser gegen die neu entstandene Konkurrenz wehren zu können hat sich Jobpilot mit den direkten Wettbewerben Monster.de, Stepstone und Jobscout24 zusammengetan.

Die kommerziellen Börsen bemängeln in der Hauptsache, dass sich das Arbeitsamt nicht um dessen eigentliche Zielgruppe, die Arbeitslosen kümmere, sondern um wechselbereite Angestellte - der traditionellen sowie potenziellen Kundschaft privater Vermittler. Monster.de-Geschäftsführer Kai-Uwe Deininger glaubt sogar an die kontraproduktive Wirkung des neuen Internetauftritts: "Mit dem virtuellen Arbeitsmarkt werden mittelfristig mindestens 50.000 Arbeitsplätze in der Verlags- und Internetwirtschaft vernichtet", so Deininger.

Vorwürfe der Privaten nicht von der Hand zu weisen

Die Befürchtungen gewerblicher Internetbörsen, räumt Arbeitsamtsmann Koch ein, "dass hier ein ähnliches Produkt auf den Markt kommt und Konkurrenz macht, kann man sicherlich nicht ganz von der Hand weisen". Den Vorwurf, das Arbeitsamt buhle nun auch um wechselwillige Beschäftige weist Koch aber mit dem Hinweis zurück, dass es nicht möglich sei, im Medium Internet die Nutzer in irgendeiner Form vorzuselektieren.

Nichtsdestotrotz gibt sich Projektleiter Koch optimistisch und hofft, dass mit Kooperationen beide Seiten von einander profitieren könnten. Ein frommer Wunsch der vermutlich unerfüllt bleiben wird, denn weder Jobpilot-Chef Funk noch seine Kollegen von Monster.de, Stepstone und Jobscout24.de wollen die von ihnen eingeholten Stellenangebote der Arbeitsamtseite zur Verfügung stellen.

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