SAP Getriebene des Kapitalmarkts

SAP will und wird weiter wachsen. Nur nicht so sehr in Deutschland, sagt Firmen-Chef Henning Kagermann. Und auch Arbeitsplätze werden seiner Ansicht nach nicht hier, sondern in Niedriglohnländern entstehen.

Walldorf - Henning Kagermann, seit einem halben Jahr alleiniger Vorstand von SAP , glaubt, dass sein Unternehmen künftig nicht mehr so stark in Deutschland wachsen werde. In einem Interview mit dem SPIEGEL, sagte er dass Indien, China und andere Länder Preisvorteile und gut ausgebildete junge Leute bieten würden.

"Wir gehen davon aus, dass ein signifikanter Teil des künftigen Wachstums und des daraus resultierenden Arbeitsplätze nicht mehr in Deutschland entsteht, sondern in Niedriglohnländern."

Zwar werde es in den deutschen Niederlassungen weiterhin Neueinstellungen geben, "aber nicht mehr in dem Maße wie früher", so Kagermann. "Etwa 25 Prozent unserer Entwicklung werden wir in Niedriglohnländer verlagern." Die Gründe sieht der SAP-Chef im Kundenverhalten, dem Konkurrenzgebaren und die Kapitalmärkte.

"Wir haben Kunden, die Aufträge im zweistelligen Millionenbereich vergeben, aber indische Preise und indische Konditionen verlangen", so Kagermann. "Wenn wir im Wettbewerb profitabel bleiben wollen, muss die Marge stimmen." Da sei es selbst einem Unternehmen wie SAP nicht möglich sich dagegen zu wehren. Zumindest nicht auf Dauer.

Getriebene des Kapitalmarkts

Denn seit die US-Konkurrenz in Ländern wie China und Indien ist, hätte sie laut Kagermann einen Kostenvorteil, dem sich auch die Walldorfer nicht entziehen könnten. Dazu komme, dass die "Übernahmeschlacht zwischen Oracle und Peoplesoft einen sehr starken Preiskampf ausgelöst hat". Auch dem könne sich SAP nicht komplett entziehen. "Wie sind halt Getriebene des Kapitalmarkts."

In anderer Hinsicht taugt die US-Konkurrenz für den SAP-Vorstand aber als Vorbild - bei der Rendite. Zwar peile SAP nach eigenen Schätzungen eine Gewinnmarge von fast 25 Prozent für dieses Jahr an, doch die "unsere Hauptkonkurrenten haben höhere Renditen: Oracle  liegt bei 36 und Microsoft  bei 41 Prozent".

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.