Warner Music Bronfman und Saban vor EMI

Hat der britische Konzern EMI das Nachsehen? Seit Monaten bemüht sich das Musikunternehmen um den Musikkonzern Warner Music. Doch nun sollen angeblich Haim Saban und Edgar Bronfman im Bieterstreit die Nase vorn haben.

London - Im Übernahmekampf um den Musikkonzern Warner Music zieht der britische Musikkonzern EMI  möglicherweise den Kürzeren. Presseberichten zufolge soll Time-Warner-Chef Richard Parsons dem Aufsichtsrat empfohlen haben, ein Angebot der Investorengruppe um Edgar Bronfman jr. und Haim Saban anzunehmen.

Das Management von Time Warner  will sich nach Angaben aus informierten Kreisen in den kommenden Tagen mit Vertretern der Gruppe treffen. Gleichzeitig sei aber das Angebot von EMI noch nicht endgültig zurückgewiesen worden, hieß es.

Der britische Konzern bestätigte in der Nacht zum Freitag, dass Time Warner neben der eigenen Offerte ein weiteres Angebot prüfe.

Die private Investorengruppe um die beiden Medienunternehmer Bronfman und Saban bietet angeblich rund 2,55 Milliarden Dollar in bar für 80 Prozent an der Time-Warner-Musiksparte Warner Music. Die EMI-Offerte soll dageen zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Dollar in bar und Aktien liegen. Nachdem die Nachricht am Markt bekannt wurde, verlor die EMI-Aktie am Freitag deutlich.

Die Umsätze im Musikgeschäft sind weiter rückläufig

Zum Hintergrund: Der Musikmarkt wird weltweit von den fünf Konzernen Vivendi Universal  (Universal Music), Time Warner (Warner Music), Sony , EMI und Bertelsmann (BMG) bestimmt. Seit Jahren sind jedoch die Umsätze im Musikgeschäft rückläufig. Ihr Heil suchen die Konzerne deshalb in Fusionen.

Derzeit verhandeln neben Time Warner, EMI, Saban und Co. auch Bertelsmann und Sony über das Zusammengehen ihrer Musiksparten. Die beiden Konzerne hatten ihr Vorhaben bereits Anfang November bekannt gegeben und bei den Kartellämtern angemeldet. Gleichzeitig hieß es, auch EMI habe die Fusion mit Warner Music bei den Wettbewerbshütern gemeldet.

Den Fusionsbestrebungen könnten jedoch die Kartellämter dazwischen kommen. Ärger mit diesen Behörden hätten die potenziellen Käufer Saban und Bronfman jedoch kaum zu befürchten, urteilen Branchenkenner. Umgekehrt müsste Bertelsmann nicht mehr fürchten, dass das Zusammengehen mit Sony Music von den Kartellämtern untersagt würde, weil auch EMI und Warner Music fusionieren wollten.

Bronfman ist Großaktionär bei Vivendi Universal

Allerdings halten Experten es auch für möglich, dass die Wettbewerbshüter sowieso einer Fusion unter den fünf großen Konzernen entgegentreten könnten, denn schon einmal wurde das Zusammengehen von BMG und EMI verhindert.

Pikant an der Bronfman/Saban-Variante: Bronfman ist Großaktionär bei Vivendi Universal und damit auch am Marktführer Universal Music beteiligt. Vor drei Jahren hatte der 48-Jährige den Konzern Seagram an Vivendi für 34 Milliarden Dollar in Aktien verkauft.

Im Zuge der folgenden Talfahrt der Vivendi-Aktie verlor die Bronfman-Familie jedoch Milliarden. Im Sommer scheiterte Bronfman mit seinem Rückkaufangebot für die Unterhaltungssparte von Vivendi Universal.

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