T-Online Kauft Holtrop den Giganten AOL?

T-Online ist in Deutschland groß, doch weltweit nicht groß genug. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge verhandelt die Telekom-Tochter deshalb mit dem US-Mediengiganten Time Warner über eine Übernahme der Internettochter AOL. "Da ist nichts dran", kommentiert Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke.

München - Es klingt wie ein Märchen aus längst vergangenen Dotcom-Zeiten: T-Online  will AOL  kaufen. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" und sorgte damit für Aufsehen. Gute Laune auf dem Parkett, heißt es, eine lustige Geschichte.

Die Zeitung hatte geschrieben, dass Time-Warner-Chef Richard Parsons und Thomas Holtrop, Vorstandschef von T-Online, sich getroffen hätten, um eine Übernahme von AOL zu besprechen. Das Blatt beruft sich dabei auf Informationen aus dem Umfeld von T-Online.

Tatsächlich suchen die Amerikaner bereits seit längerem nach einer Lösung für ihre defizitäre Internetsparte. Auch über einen Verkauf wurde laut nachgedacht. Gespräche mag es auch gegeben haben, doch waren die wahrscheinlich anderer Natur, Filmrechte sind ein aktuelles Thema für T-Online.

Möglicher Preis: Eine Milliarde Dollar

Wie das Blatt indes berichtete, soll AOLs größter europäischer Konkurrent T-Online der heißeste Kandidat im Rennen um die AOL-Anteile sein. Ein Modell sehe vor, dass die Deutschen 70 Prozent der Aktien von AOL übernehmen und 30 Prozent bei Time Warner blieben. Möglicher Preis für das Dotcom-Paket: Eine Milliarde Dollar - weit entfernt von dem Marktwert des AOL-Konzerns vor dessen Einstieg bei Time Warner.

Kai-Uwe Ricke, Chef der Deutschen Telekom , wollte den Bericht auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns nicht kommentieren. Gegenüber dem Nachrichtensender n-tv sagte Ricke: "Da ist nichts dran." Aus unternehmensnahen Kreisen heißt es, es habe keine Gespräche gegeben. Ein Kauf von AOL wäre "wirtschaftlicher Unsinn".

Experten sind skeptisch

Aktienhändler halten die angebliche Übernahme von AOL weltweit ebenfalls für "extrem unwahrscheinlich". Zum einen heißt es, der Kaufpreis sei viel zu niedrig. Andere Branchenkenner sagen dagegen, der Preis sei zu hoch, denn AOLs Kundenzahl schrumpft weltweit - in einem ansonsten wachsenden Markt. Zudem schleppt das Unternehmen einen hohen Schuldenberg mit sich rum.

Möglicherweise interessiert sich T-Online jedoch für AOL Europe. Unbeantwortet bleibe dann aber ebenfalls die Frage, wie der europäische Marktführer die Übernahme den Kartellämtern erklären wollte, ohne auf Schwierigkeiten zu stoßen.

Ungenutzte Barreserven

Wenn T-Online beispielsweise in den britischen Markt wollte, könnte das Unternehmen das auch anders schaffen, heißt es. Probleme sehen Kenner darüber hinaus auch in einer möglichen Integration von AOL in T-Online. AOL nutze ein proprietäres System, das kaum zu integrieren sei.

Dennoch, die Spekulation ist nach Ansicht einiger Beobachter nicht ganz abwegig. T-Online hat immerhin die nötigen Finanzmittel für die Übernahme. Nach eigenen Angaben hat die Telekom-Tochter inzwischen eine Barreserve von vier Milliarden Euro angesammelt.

"Wenn der richtige Zeitpunkt kommt, werden wir sie einsetzen", sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean noch am vergangenen Dienstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Mit einer Entscheidung sei voraussichtlich bereits in den nächsten Monaten zu rechnen.

Weltweit die Nummer eins

An der Börse wirkt sich das Gerücht um die Telekom-Tochter und AOL zumindest nicht aus. Die Aktie von T-Online bewegte sich kaum. Wäre an der Sache etwas dran, dann stiege das Papier in ungeahnte Höhen, so ein Kenner.

Auch wenn AOL bei Time Warner  längst nicht die Erwartungen erfüllte, die bei der gigantischen Medienfusion Anfang 2001 an den weltweiten Erfolg mit digitalen Inhalten geknüpft wurden - mit rund 25 Millionen Kunden ist AOL immer noch der weltweit größte Internetprovider.

Ex-Bertelsmann-Chef Middelhoff mit am Pokertisch?

In Europa kämpft AOL allerdings mit dem Marktführer T-Online und Internetzugangsanbietern wie Wanadoo und Tiscali . Dass T-Online AOL kaufen könnte, damit eine Kooperation mit der eigenen US-Tochter T-Mobile möglich würde, wie es die "SZ" schrebt, gilt ebenfalls als unwahrscheinlich.

Dem Blatt zufolge soll ein alter Bekannter bei der Anbahnung des Geschäftes seine Finger im Spiel gehabt haben. Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff habe die Annäherung von T-Online und Time Warner gefördert. Er sei allerdings für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.