Musik-Fusionen Alles wird möglich

Während die US-Kartellbehörden die Fusion von Sony und BMG kritisch beäugen, überlegen ihre EU-Kollegen sowohl diese Fusion, als auch das Zusammengehen von Warner Music und EMI parallel zu prüfen. Ein Novum, das den Ausgang der Untersuchungen offener denn je macht.

Brüssel - Die amerikanischen Wettbewerbsbehörden sehen die geplante Fusion der Plattenfirmen BMG und Sony offenbar kritisch. US-Senator Mike DeWine, Vorsitzender des Kartell-Unterausschusses und sein Kollege Herbert Kohl sagten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Musikindustrie derzeit zwar mit zahlreichen Problemen zu kämpfen habe, ein weiterer Zusammenschluss aber nicht die Lösung dieser Probleme sei.

Die beiden Senatoren betonten, dass der Zusammenschluss in einem Bereich stattfände, in dem ohnehin nur fünf Großunternehmen konkurrieren würden. DeWine und Kohl haben deshalb eine Anhörung angekündigt, um die angestrebte Unternehmensehe zwischen Sony und BMG unter die Lupe zu nehmen.

Derweil überlegen die europäischen Kartellbehörden, ob das Zusammengehen von Sony/BMG, als auch die ebenfalls anvisierte Fusion von Warner Music und EMI parallel geprüft wird. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Sollte Wettbewerbskommissar Mario Monti so vorgehen, wäre dies ein neuer Kurs der EU-Behörden. Bislang prüfen die Kartellrechtler den jeweils ersten Übernahmeantrag.

Alle, keine oder eine der geplanten Fusionen nun möglich

Im Fall der vier Musikfirmen wäre der Ausgang einer Paralleluntersuchung unklar. Experten gehen bisher davon aus, dass die Wettbewerbshüter höchstens eine der beiden Zusammenschlüsse genehmigen würde. Sony/BMG hätte als Firstmover die besseren Karten. Nun aber sei es nach Auskunft der EU-Behörden aber auch möglich, dass sowohl beide, eine von beiden oder gar keine Fusion genehmigt werde.

Ob Monti einer gleichzeitigen Untersuchung zustimmen wird, hängt laut "FTD" auch davon ab, wie dicht die Anmeldungen aufeinander folgen. Sony/BMG hat sein Ansinnen bereits den US-Wettbewerbsbehörden gemeldet. Den europäischen Kartellhütern sei inoffiziell Bescheid gegeben worden, da für einen förmlichen Antrag unterschriebene Verträge vorliegen müssen. Sony und BMG haben bisher aber nur eine Fusionabsichtserklärung unterzeichnet.

Erst vor drei Jahren hatten die Brüsseler Kartellrechtler ein Zusammengehen von Warner und EMI verhindert. Auch das Vorhaben von BMG und EMI scheiterte wenige Monate am Widerstand Mario Montis. Sony BMG würde mit mehr als 25 Prozent Marktanteil direkt zum Branchenprimus Universal Music aufschließen und ihn möglicherweise sogar knapp überholen.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.