n-tv Abschied von der Online-Redaktion

Beim Nachrichtensender n-tv stehen erneut Umstrukturierungen an. Dieses Mal trifft es die Internet-Redaktion, die aufgelöst werden soll. Die Seite wird entweder eingestellt, outgesourct oder an RTL New Media übergeben.

Berlin - Bei dem Nachrichtensender n-tv stehen weitere Entlassungen an. Angesichts eines millionenschweren Defizits will der Sender nun seine eigene Online-Redaktion schließen. Das erfuhr manager-magazin.de aus Kreisen. Die Website wird entweder eingestellt, outgesourct oder an RTL New Media übergeben. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, heißt es.

Betroffen sind den Angaben zufolge über 20 Mitarbeiter, denen gekündigt werden soll. Für eine Stellungnahme war bei dem Sender niemand zu erreichen. Auch der Betriebsrat ist bisher nicht offiziell informiert worden.

Im vergangenen Jahr hatte n-tv einen Verlust von etwa 23 Millionen Euro eingefahren. Auch in diesem Jahr rechnen Experten mit einem Fehlbetrag von knapp unter 20 Millionen Euro. So sei im laufenden Jahr der Bruttoumsatz um 34,5 Prozent eingebrochen. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage entspreche die Entwicklung den Erwartungen der Gesellschafter, heißt es offiziell.

Mahr will bis 2005 einen Gewinn erzielen

Vor rund zwei Wochen unterstrich Hans Mahr, RTL Informationsdirektor und Chefredakteur von RTL, dass der Nachrichtensender bis 2005 einen Gewinn erzielen solle. Wenn die schwarze Null bis 2005 nicht zustande komme, müssten die Gesellschafter über den Nachrichtensender neu nachdenken, so Mahr in der "Financial Times Deutschland". Bereits in den vergangenen Monaten hatte n-tv 70 von 350 Mitarbeitern entlassen.

Die RTL Group  hatte im vergangenen Jahr die Beteiligung an n-tv von der Verlagsgruppe Holtzbrinck erworben. Zur Zeit hält die Bertelsmann-Fernsehgruppe rund 49 Prozent. 50 Prozent der Anteile liegen in den Händen des Medienkonzerns Time Warner.

Im April platzierte RTL Johannes Züll auf den Chefposten des Senders. Zuvor hatten Geschäftsführer Helmut Brandstätter und sein Stellvertreter Wolfgang Fischer das Unternehmen verlassen. Züll hatte Ende Oktober gegenüber "Horizont" weitere Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Spekuliert wird seit dem Einstieg von RTL, dass der Nachrichtensender enger in die Fernsehgruppe einbezogen wird. So käme auch ein Umzug nach Köln oder nach Hamburg in Frage. 2008 will RTL in die Kölner Rheinhallen, dort böte sich genügend Platz, heißt es. Aber auch die RTL-Niederlassung in der Hansestadt könnte n-tv Unterschlupf bieten.