Onlineauktionen "Jetzt oder nie - Ricardo.de geht"

Die Konkurrenz von Ebay war einfach zu erdrückend. Deshalb gibt das zweitgrößte deutsche Auktionshaus nach fünf Jahren auf. Der Hamburger Ableger von QXL Ricardo versucht sich stattdessen als Immobilienauktionator. Genau auf diesen Markt drängt aber auch Ebay.
Von Niels Kruse

Hamburg - Das Ende von Ricardo.de  kommt in Form eines unspektakulären Werbebanners daher: "Jetzt oder nie - Ricardo.de geht. Bis 17. November kostenlos Auktionen bei Ricardo starten" lautet der Abschiedstext. Damit schließt das zweitgrößte deutsche Auktionshaus nach Ebay  demnächst seine Pforten.

"Es machte keinen Sinn mehr, Head-to-Head mit Ebay konkurrieren zu wollen", sagte Ricardo-Vorstand Oliver Döring gegenüber manager-magazin.de. Die Community des Wettbewerbers sei derart groß, dass man nur durch unverhältnismäßig hohen Marketingaufwendungen eine Chance gehabt hätte, mehr Kunden zu gewinnen, so Döring.

Das gleiche Schicksal wird in absehbarer Zeit auch den spanischen Firmenableger Aucland ereilen. Weitere Seiten des europäischen Marktplatzes QXL/Ricardo, etwa die profitable Schweizer Dependance, sollen allerdings nicht von den Plänen betroffen sein. Die rund eine Millionen Nutzer von Ricardo.de werden ab dem 18. November auf die Seiten des niederländischen Unternehmens Intoko weitergeleitet.

Intoko ist ein digitalisierter Kleinanzeigenteil

Im Gegensatz zu Ricardo oder Ebay ist Intoko allerdings keine Versteigerungsplattform. Wie bei Anzeigenteilen von Zeitungen werden hier die Produkte nur angeboten, verhandeln müssen Interessenten dann mit dem Anbieter direkt. Die deutsche Seite ist erst seit Anfang der Woche freigeschaltet, die Auswahl entsprechend klein.

Völlig aufgeben muss Döring sein Unternehmen jedoch nicht. "Wir konzentrieren uns nun auf die Versteigerung von Immobilien", so der Vorstand. Im Juni dieses Jahres haben die Hamburger in Zusammenarbeit mit der Deutschen Grundstücksauktionen AG begonnen, Häuser und Grundstücke via Internet und Live-Auktion an den Mann zu bringen.

Auch Ebay erwägt Einstieg in den Immobilienmarkt

Doch auch auf diesem Feld könnte Ricardo demnächst eine Head-to-Head-Konkurrenz aus den USA drohen. Nämlich dann, wenn Konzernchefin Meg Whitman ihre angekündigten Pläne in die Tat umsetzt. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) sagte sie: "Wir gucken uns den deutschen Immobilienmarkt sehr genau an. Es ist gut möglich, dass wir in den Markt einsteigen." Denn Ebay funktioniere in ineffizienten Märkten am besten, so Whitman. Offenbar hat Deutschland so einen ineffizienten Markt.

Auch für das herkömmliche Geschäft rechnet Whitman wieder mit einem Anziehen der Handelsvolumina: Für 2004 rechnet sie mit einer Verdoppelung des deutschen Handelsvolumens. Dieses werde im Gesamtjahr 2003 zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar betragen, so Whitman.

"Wir fühlen uns auf diesem Feld sicher"

Das entspricht laut "FAZ" einem Fünftel des gesamten deutschen Versandhandelsgeschäfts, Ebay sei bereits größer als der Versandhändler Quelle . Für 2003 erwartet der Bundesverband des deutschen Versandhandels ein Online-Gesamtumsatz in Höhe von 3,7 Milliarden Euro.

Die Überlegungen der Ebay-Chefin, auch Immobilien zu vermitteln, beunruhigen Döring indes nicht: "Es ist natürlich zu früh, um über das genaue Vorgehen von Ebay zu spekulieren", so der deutsche Ricardo-Chef: "Wir fühlen uns auf diesem Feld sicher." Schließlich habe man mit der Deutschen Grundstücksauktionen den größten nationalen Anbieter als Partner. "Die sind absolute Profis und haben den direkten Draht zu Immobilienanbietern."

Immobilienscout24 als Vorbild?

Außerdem komme Ricardo eine deutsche Besonderheit entgegen: Hierzulande benötigt jeder Abschluss eines Immobilienkaufs die notarielle Beglaubigung. Ricardo und die Deutsche Grundstücksauktionen veranstalten daher eine über das Internet live übertragene klassische Versteigerung in Anwesenheit eines Notars. Nach Zuschlag des virtuell abgegebenen Höchstgebots waltet er seines Amtes. "Damit wird das Geschäft auch ganz offiziell festgezurrt", so Döring.

Ricardo wähnt sich also im Vorteil gegenüber der neuen und alten Konkurrenz. "Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Ebay seinen Marktplatz eher nach Art einer Plattform wie Immobilienscout24 gestaltet. Also mehr in der Art einer interaktiven Anzeigen-Site", sagt Döring hoffnungsvoll. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.