Vivendi Universal Hollywood ade

Nach monatelangem Ringen ist der Teilverkauf der Unterhaltungssparte des Konzerns besiegelt. Für 3,8 Milliarden Dollar in bar übernimmt General Electric die Führung der Filmstudios und Vergnügungsparks. Wie geht es nun weiter für Vivendi?

Paris - Es ist wohl nur die zweitbeste Lösung, die Vivendi Universal  für seine Unterhaltungssparte (VUE) gefunden hat. Der Mischkonzern verkündete am Mittwoch, dass er sich mit dem US-Konzern General Electric (GE)  geeinigt habe. Doch anstatt einen Schlussstrich zu ziehen, bleibt Vivendi noch immer an dem neuen Unterhaltungsunternehmen beteiligt.

Der Vereinbarung entsprechend wird GE's Fernsehtochter NBC für 3,8 Milliarden Dollar in bar die Führung der Unterhaltungssparte übernehmen. 3,3 Milliarden Dollar fließen dabei direkt an Vivendi Universal. Gleichzeitig verpflichtetet sich NBC Schulden in Höhe von rund 1,7 Milliarden Dollar zu übernehmen. GE plant zur Finanzierung des Bar-Teils der Transaktion die Begebung von Stammaktien.

NBC und VUE, zu dem Filmstudios, Fernsehkanäle, Themenparks und auch Computerspiele gehören, sollen den Plänen zufolge verschmolzen werden und künftig unter dem Namen NBC Universal auftreten. Die Synergien aus der Fusion der beiden Unternehmen werden auf 400 bis 500 Millionen Dollar geschätzt. Der Umsatz für 2003 liege bei 13 Milliarden Dollar, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) bei drei Milliarden Dollar, hieß es.

Schrittweiser Abschied

Anders als von Vivendi Universal ursprünglich geplant, bleibt der Konzern aber zunächst mit 20 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt. 80 Prozent liegen in den Händen von GE. Erst ab 2006 könne sich Vivendi von seiner Beteiligung an NBC Universal trennen, hieß es.

"Im Grunde genommen wollte Vivendi die Unterhaltungssparte ganz loswerden", sagt Peter Dombeck, Analyst bei der Berenberg Bank. Nun erfolge dies in mehreren Schritten. Immerhin hätte Vivendi Universal aber den Mindestbarbetrag erhalten, den der Konzern unbedingt brauche, so der Analyst.

Angesichts eines enorm hohen Schuldenbergs war der Konzern im vergangenen Jahr nur knapp einer Zerschlagung entkommen. Der frühere Chef Jean-Marie Messier hatte Vivendi mit seinem ehrgeizigen Expanisonsplan fast in den Ruin getrieben. Sein Nachfolger Jean-René Fourtou hatte alle Hände damit zu tun, zu retten, was zu retten war. Und er hat ganze Arbeit geleistet. Was nicht zum Kerngeschäft gehörte, stand und steht zur Disposition. Der Schuldenberg ist mittlerweile deutlich geschrumpft.

Viele Baustellen bleiben offen

Mit dem frischen Kapital kann Fourtou nun weiteren Verbindlichkeiten nachkommen. Wie aber geht es weiter mit dem Konzern? Dombeck: "Bislang hat Foutou das gemacht, was er machen musste. Doch jetzt fehlt es an einer Gesamtstrategie." Unklar sei, welche Richtung der Konzern künftig einschlagen werde. Noch handele es eher um einen Gemischtwarenladen.

Nicht entschieden ist zum Beispiel, was mit der defizitären Musiksparte passieren wird. Die Musikbranche wird derzeit von Bertelsmann, Sony, Time Warner, EMI und Vivendi Universal bestimmt. Doch es handelt sich um einen schrumpfenden Markt. Also suchen die Konzerne nach Auswegen, um das Verlust- in ein profitables Geschäft zu wandeln. Bertelsmann und Time Warner erwägen dabei einen Zusammenschluss ihrer Sparten, auch EMI sucht einen Anker. Ob allerdings die Kartellämter überhaupt einer einzigen Fusion zustimmen, ist offen. Andererseits bleibt den Konzernen nichts anderes übrig, als ihren Musiksparten ein drastisches Restrukturierungsprogramm aufzuerlegen. Aus eigener Leistung zu wachsen, bedarf es enormen Kraftanstrengungen.

Für Fourtou bleiben weitere Baustellen. Abgesehen von der Beteiligung an der ehemaligen Umweltsparte, die der Vorstandsvorsitzende auch loswerden möchte, muss im Bereich Telekommunikation eine Entscheidung fallen. Das beste Asset des Konzerns ist die Telekommunikationssparte, die bedeutendste Unternehmung die Beteiligung an der französischen Cegetel. Doch handelt es sich dabei um ein Minderheitspaket, genauso ergeht es dem Mitgesellschafter Vodafone. Beide wollen ihre Anteile erhöhen, keiner will aussteigen. Beiden seien die Hände gebunden, sagt Dombeck. "Eine unglückliche Lage."

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