Chipindustrie Intel hält sich mit Kleinigkeiten auf

Der weltgrößte Halbleiterhersteller läutet eine kleine Zeitenwende ein. Nicht die Chipproduktion, sondern Systeme für die drahtlose Kommunikation werden Intels Produktreihe in Zukunft bestimmen. Mikroskopisch kleine Systeme, sagt Vorstand Paul Otellini.

San Jose - Der weltgrößte Chip-Produzenten Intel , blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die mageren Jahre scheinen vorbei, und so wagen sich die Amerikaner an neue Taten. Dabei vollzieht das Unternehmen derzeit so etwas wie einen Strategiewechsel. Das größte Wachstumspotenzial liegt nach Intels Ansicht nämlich derzeit in Produkten und Standards für die drahtlose Verbindung von mobilen Geräten wie Handys, Taschen-PCs und Laptops.

Der mobile Übertragungsstandard Wi-Fi, kurz für Wireless Fidelity, wachse derzeit deutlich schneller als etwa der Handy-Markt oder das Geschäft mit stationären Breitbandanschlüssen, sagte Pat Gelsinger, Technik-Chef des Hardwarekonzerns, auf dem Intel Developer Forum in San Jose.

Bereits in absehbarer Zeit werde die drahtlose Übermittlung von Daten nach Meinung von Gelsinger die heutigen Kupferleitungen gänzlich überflüssig machen. Zur Weiterentwicklung schneller und leistungsstarker Übertragungstechniken arbeitet das Unternehmen intensiv mit Regierungen, Regulierungsbehörden und Industrieforen zur Festlegung von Standards zusammen. Im nächsten Jahrzehnt werde die Mehrzahl der Menschen weltweit drahtlos kommunizieren, so Gelsinger.

Intel glaubt, dass eine wesentliche Rolle die Entwicklung neuer WLAN-Technologien mit deutlich höherer Durchleitungs-Kapazität speilen werde. Der Austausch von Daten wie Musik, Filmen und Bildern über kabellose Netzwerke könne schon bald in einem Bruchteil der heute benötigten Zeit erfolgen.

Eine deutliche Leistungssteigerung werden auch neue Sendestationen bringen, die mit vier statt bislang einer Antenne ausstattet sind, sagte Gelsinger. An der Entwicklung eines dazu benötigten Systems werde Intel mitarbeiten. Der künftige Übertragungsweg soll auch auf der so genannten letzten Meile das Kupferkabel endgültig ersetzen. Solche Netze könnten Daten, Sprache und Videos mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 Megabit pro Sekunde übertragen.

Es geht um die Konvergenz von Übertragungswegen

Das weitere Zusammenwachsen von Computern und Kommunikationsgeräten will Intel durch die beschleunigte Entwicklung immer kleinerer Komponenten und kostengünstigerer Technologien vorantreiben. Längst arbeiten die Forscher bei der Herstellung von Halbleitern, den Bausteinen der Mikroprozessoren, in Größenordnung von Atomen. Im Jahr 2011 plant das Unternehmen Transistoren mit Schaltkreisgrößen die kleiner sind als ein einzelnes DNA-Molekül, herzustellen, so Intel-Vorstand Paul Otellini.

Von seiner ursprünglichen Domäne, der Computerindustrie, lässt der kalifornische Halbleiterhersteller zwar nicht die Finger, Branchen wie die Telekommunikation und Unterhaltungselektronik aber werden immer interessanter. In diesem Jahr gebe es bereits eine Milliarde datenübertragungsfähige Handys, sagte Gelsinger. Mehr als ein Drittel der rund 7000 Intel-Mitarbeiter sei im Jahr 2003 mit der Entwicklung von Kommunikationsbausteinen beschäftigt.

Die Konvergenz - das Zusammenwachsen der verschiedensten Mediengeräte vom Personal Computer über das Handy bis zum Fernsehgerät - steht dabei im Mittelpunkt der Forschungsschwerpunkte des Unternehmens. "Es wird überall von der Schlacht um Standards gesprochen, aber es geht um die Koexistenz der verschiedenen Übertragungswege", sagte Otellini. Dafür müssten auch die technischen Schnittstellen kompatibel gemacht werden.

Intel forsche an Technologien, mit denen die Geräte der Zukunft untereinander problemlos kommunizieren könnten, so Gelsinger. Auf dem Forum in San Jose präsentierte der Technik-Chef den Prototyp eines Smartphones, mit dem der Nutzer unterwegs, unabhängig von dem gerade verfügbaren Netzwerk online gehen und bleiben kann. Dieser so genannte Universal Communicator unterstützt die Standards GSM, GPRS sowie den Wi-Fi-Standard und sucht sich jeweils eigenständig den günstigsten Übertragungsweg.

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