Aponet.de Medizin gegen DocMorris

Die deutschen Apotheker haben ihren Widerstand gegen den Onlineversand von Medikamenten aufgegeben. Künftig bieten sie selbst einen entsprechenden Internetdienst an. Und ärgern damit die Konkurrenz von DocMorris.

Hamburg - Wer bei dieser Internetadresse nostalgische Erinnerung bekommt, der wird leider enttäuscht: Unter www.aponet.de treffen sich keine ehemaligen Mitglieder der Außerparlamentarischen Opposition, sondern Medikamentenbedürftige. Denn aponet ist der neu gestartete Onlinebestellservice des deutschen Apothekenverbands.

Über aponet soll jedes in Deutschland zugelassene Arzneimittel online in einer Apotheke bestellt werden können. Ein Mitarbeiter dieser Apotheke werde das Präparat dann in der Regel noch am gleichen Tag bis "ans heimische Krankenbett" ausliefern, so der Präsident des Apothekerverbands ABDA, Hans-Günter Friese.

Mit dem Angebot seien die Apotheken schneller und sicherer als der "unpersönliche und anonyme Versandhandel von weither, auch aus dem Ausland", sagte Friese. Er spielt damit auf den niederländischen Internet-Arzneihändler DocMorris an, der Medikamente bereits nach Deutschland versendet, wogegen der ABDA geklagt hatte. Unter anderem verstoße die Internetmedizin gegen das deutsche Arzneimittelgesetz, so die Argumentation der Apotheker. Die Klage beim Europäischen Gerichtshof wird voraussichtlich im Laufe des Septembers entschieden.

Der Arznei-Versandhandel ist in Deutschland derzeit noch verboten. Dies soll sich aber zum 1. Januar 2004 nach einer Einigung von Bundesregierung und Opposition zur Gesundheitsreform ändern, um den Wettbewerb anzukurbeln. Friese sagte: "Wir haben diese Entscheidung nicht gewollt, aber wir sind nicht unvorbereitet."

Bislang diente aponet nur als Vorbestellsystem

Obwohl der Versandhandel erst 2004 erlaubt sein werde, sehe sich der ABDA mit seinem sofort nutzbaren Zustellservice "im vorhandenen Rechtsrahmen".

Das offizielle Internet-Portal der deutschen Apotheken aponet besteht zwar bereits seit zwei Jahren, allerdings laut ABDA nur als Vorbestellsystem. Der Kunde musste sein Medikament bisher selbst in der Apotheke abholen. Ein Sprecher sagte, derzeit beteiligten sich an dem Vorbestellsystem mehr als 9000 der 21.500 öffentlichen Apotheken in Deutschland. Mit der Freischaltung der neuen aponet-Version werde aber eine zusätzliche erhebliche Zahl von Apothekern mitmachen.

Der ABDA räumte ein, dass gerade alte und chronisch kranke Menschen vom dem Service möglicherweise wenig profitieren, da sie PC- und Internet häufig nicht nutzen können. "Hier bedarf es eines Umstellungsprozesses", sagte Friese.

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