Expansion Infineon und der rote Drache

Der chinesische Elektronikmarkt brummt. Sein Brummen wird in den kommenden Jahren zu einem veritablen Donnerhall anschwellen - und dann soll es auch in den Kassen des deutschen Halbleiterkonzerns klingeln. Gerade eröffnete Infineon-Chef Schumacher eine neue Niederlassung in Shanghai.

Shanghai - Ein roter, mehrere Meter langer Drache schlängelte sich über die Bühne, lauter Trommelwirbel dröhnte durch den Saal. Dann, mit einem donnergrollenden Paukenschlag, war das chinesische Hauptquartier des deutschen Chipherstellers Infineon eröffnet.

Der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher hatte am Mittwochvormittag hunderte von Gästen nach Shanghai geladen, wo der stellvertretende Bürgermeister der Stadt das Ereignis mit einer hymnischen Rede feierte. Der aufwändig inszenierte Festakt in einem Neubau im Wirtschaftszentrum Pudong sollte vor allem eins deutlich machen: Nun will neben zahlreichen anderen westlichen Unternehmen auch Infineon seine Aktivitäten in China "beträchtlich verstärken", wie Schumacher ankündigte.

Die Expansion in Asien ist dringend geboten, ist doch das Engagement des Chipherstellers im Reich der Mitte bislang recht überschaubar: In den zurückliegenden sechs Monaten hat der Konzern, der insgesamt 5,2 Milliarden Euro (2002) umsetzt, in dieser Region gerade einmal Erlöse in Höhe von 250 Millionen Euro erwirtschaftet. 800 Mitarbeiter beschäftigt Infineon heute in China.

In vier Jahren, so Schumachers Ziel, sollen in China 3000 Mitarbeiter für das Unternehmen arbeiten. Bis dahin will Infineon 1,2 Milliarden Euro in den schnell wachsenden chinesischen Elektronikmarkt investieren. Das Geld fließt zum einen in den Aufbau von Fabriken, unter anderem für Chips und Speicherbausteine. Meist handelt es sich dabei um Joint Ventures mit chinesischen Partnern wie die tags zuvor angekündigte Kooperation mit dem Elektronikkonzern Huawei. Zum anderen will Infineon hier beträchtliche Forschungs- und Entwicklungskapazitäten aufbauen.

Dabei geht es im ersten Schritt noch um die Erweiterung der deutschen Entwicklungsmannschaft. Langfristig, so Schumacher, sei aber vorstellbar, dass auch ganze Labors von Deutschland nach China verlagert werden, da dort das Lohnniveau niedriger sei, die Arbeitszeiten länger und die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung höher.

Infineon steckt sich ambitionierte Ziele. Der Marktanteil des Konzerns in China soll sich bis 2008 verdoppeln. Bei Logik-Produkten wird der Marktanteil zwar weiterhin sehr gering sein, bei Speichern hingegen soll er auf 40 Prozent steigen.

Erfüllen sich Schumachers Erwartungen, könnte China in den kommenden Jahren erheblich zum Unternehmensergebnis beitragen. Nach Prognosen des Marktforschungsinstitutes iSuppli wird sich der chinesische Halbleitermarkt bis 2005 verdreifachen und dann mehr als 80 Milliarden Umsatz generieren. Experten zweifeln nicht daran, dass das Geschäft mit PCs und Unterhaltungselektronik in China schneller wachsen wird als der Weltmarkt.

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