Infineon Ein Chinahandy für 30 Euro

Infineon-Chef Ulrich Schumacher hat einen neuen Partner gefunden: Zusammen mit dem Elektronikkonzern Huawei will er Billig-UMTS-Handys für den chinesischen Markt herstellen. Der Verkaufspreis soll weltweit einmalig günstig sein.

Peking - Fast wäre der große Auftritt geplatzt. Als Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Dienstagmorgen um 8.55 Uhr am Pekinger Flughafen aus der Lufthansa-Maschine stieg, begann die Suche nach seinem Gepäck. Vergebens. Der Koffer war verschwunden. In Windeseile musste Schumacher neu eingekleidet werden, was insbesondere bei Schuhgröße 47 ein kompliziertes Unterfangen in China ist. Doch das logistische Kunststück gelang.

Um 14.55 Uhr betrat Schumacher im schwarzen Anzug und dazu passenden Schuhen das Kempinski-Hotel in Peking. Er unterzeichnete gemeinsam mit seiner neuen Partnerin Son Jasang aus dem Vorstand des chinesischen Elektonikkonzerns Huawei ein Kooperationsabkommen. Die beiden Firmen werden gemeinsam Handys für den neuen 3G-Standard WCDMA, der chinesischen UMTS-Variante, unter dem Namen Huawei in China verkaufen.

Ziel von Huawei und Infineon  ist die Eroberung des Massenmarktes. Daher sollen die Geräte, die im kommenden Juni erstmals angeboten werden, besonders preisgünstig sein. Geplant ist, dass die Handys zunächst rund 40 Euro kosten, später soll der Preis bei 30 Euro liegen.

240 Millionen Chinesen telefonieren mobil

Obwohl die Geräte auf dem UMTS-Standard basieren, werden sie nur zum Telefonieren und zum Versenden von Kurznachrichten taugen. "95 Prozent der Chinesen wollen mit dem Handy nur telefonieren", sagt Ulrich Schumacher, "dazu braucht man keine zwei Megabit Datenraten."

Das Reich der Mitte ist mittlerweile der größte Mobilfunkmarkt der Welt. 240 Millionen von insgesamt 1,3 Milliarden Chinesen telefonieren mobil und mit Wachstumsraten von 20 Prozent und mehr ist China für alle großen Handyhersteller zu einer Goldgrube geworden. Allerdings musste Motorola, chinesischer Marktführer, erst kürzlich eine Fabrik schließen, in der unter anderem Mobilfunkchips hergestellt wurden.

Staatliche Maßnahmen gegen die Handyschwemme

Denn auf dem lukrativen Markt tummeln sich bis zu 37 chinesische Firmen, die ausländische Markenhandys importieren, um sie umzubenennen und zu Niedrigstpreisen auf den Markt zu werfen. Deshalb plant die Regierung der Handyschwemme Herr zu werden und Importe einzuschränken.

Wenn es Infineon und Huawei aber gelingt, den chinesischen Massenmarkt mit Billighandys zu erschließen, wollen die beiden Partner auch in andere Länder expandieren. "Wenn es in China funktioniert, wollen wir auch noch in andere Länder wie Indonesien oder Indien rein", so Schumacher.

Infineon hat in die Entwicklung von Chipsätzen für die 3G-Handys bislang rund 150 Millionen Euro investiert. Für die Entwicklung besonders kostengünstig zu produzierender Chipsätze entstehen nun noch einmal Aufwendungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro.

Eine gleich große Summe wird auch Huawei in das Gemeinschaftsprojekt investieren. Huawei betritt mit der Handyproduktion Neuland, bislang ist das Unternehmen im Mobilfunksektor nur als Netzausrüster tätig.