RTL "ARD und ZDF machen Preise kaputt"

Gerhard Zeiler ist ein zurückhaltender Manager. Die Forderungen von ARD und ZDF nach einer zehnprozentigen Erhöhung der Rundfunkgebühren gehen jedoch auch dem RTL-Chef zu weit. Er fordert deshalb ein werbefreies öffentlich-rechtliches Rundfunksystem.

Die Forderung von Gerhard Zeiler kommt nicht überraschend: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle künftig auf Werbung verzichten, sagte der Chef des größten europäischen Privatsenders RTL gegenüber dem "Handelsblatt".

"Eine werbefreie BBC ist ein Vorbild. Deutschland ist groß und reich genug, um sich einen rein öffentlich finanzierten Rundfunk leisten zu können", so Zeiler weiter. Der von ARD und ZDF geforderten zehnprozentigen Gebührenerhöhung ab 2005 steht Zeiler jedoch ablehnend gegenüber.

Denn die Gründe dafür seien hausgemacht, glaubt der Senderchef, da die Öffentlich-Rechtlichen ein unwirtschaftliches Verhalten an den Tag legten: "Der Erwerb der Fernseh der Fußball-Bundesligarechte ist ein Ärgernis", rügt Zeiler die Ausgabenpolitik, besonders der ARD. "Während wir auf Grund geringerer Werbeeinnahmen unsere Hausaufgaben machen müssen - worüber ich mich im Übrigen nicht beklage - gehen die öffentlich-rechtlichen Sender auf Einkaufstour, und zwar auf Kosten der Gebührenzahler."

Harsche Worte aus dem Mund des sonst besonnen agierenden RTL-Chefs. Doch nicht nur Zeiler, auch die Konkurrenz von ProSiebenSat1 hat zurzeit heftig mit den ausbleibenden Werbeeinahmen zu kämpfen. Nach eigenen Berechnungen muss RTL ein Werbeminus in Höhe von 5,5 Prozent im ersten Halbjahr 2003 verkraften.

Ohne Erhöhung wähnt sich das ZDF insolvent

Dagegen fällt die vom ARD-Vorsitzenden Jobst Plog und dem ZDF-Intendanten Markus Schächter geforderte Erhöhung der Rundfunkgebühren von zehn Prozent üppig aus. Schächter hatte im Juli den Schritt damit begründet, dass sein Sender sonst quasi insolvent wäre und den gesetzlichen Auftrag nicht mehr erfüllen könne.

Gerhard Zeiler sieht das naturgemäß anders: "Bei den bisherigen Forderungen nach einer Gebührenerhöhung haben wir uns in der Vergangenheit immer sehr zurückgehalten. Zum ersten Mal muss ich aber sagen, so kann es nicht weitergehen." Vor allem der seiner Ansicht nach viel zu hohe Preis für die Fußballrechte ist dem RTL-Geschäftsführer ein Dorn im Auge. Er habe nichts dagegen, dass die Bundesliga auf der ARD läuft, so Zeiler, "ich habe jedoch etwas dagegen, wenn dafür unvernünftige Preise gezahlt werden. Denn die ARD agiert auf Kosten der Zwangsgebührenzahler und beschädigt den Markt. So werden die Preise kaputtgemacht."

Zwar laufen die Privatsender Sturm gegen die geplante Gebührenerhöhung, über die die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs Anfang 2004 entscheiden wird, doch Zeiler gibt sich keinen Illusionen hin, diese noch verhindern zu können: "Auch wenn ARD und ZDF ein völlig unwirtschaftliches Verhalten an den Tag gelegt haben, wird die Politik dennoch das eine oder andere für sie tun."

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