China Wider die Überproduktion

Die chinesische Regierung erwägt offenbar, den Handymarkt zu reglementieren. Zeitungsberichten zufolge soll der Import von Mobiltelefonen eingeschränkt werden. Ein Nachteil für Nokia, Motorola und Siemens?

Peking - Chinesischen Herstellern soll es künftig schwerer gemacht werden, ausländische Handys zu importieren und dann als eigene Marke zu verkaufen. Die chinesische Regierung bereite entsprechende Maßnahmen vor, um die Importbedingungen zu ändern, schreibt das "Wall Street Journal". Was bedeutet dies nun für die Handyhersteller? China gilt immerhin als größter Wachstumsmarkt der Branche.

Zum Hintergrund: In China tummeln sich bis zu 37 chinesische Handyhersteller, die bislang hauptsächlich auf dem regionalen Markt agieren. Die großen weltweit aktiven Hersteller wie Motorola  und Nokia  sind ebenfalls im Reich der Mitte präsent - meist in Form von Joint Ventures.

Merkmale des chinesischen Marktes: Das Land wird derzeit von Billighandys überschwemmt. Oftmals importieren die chinesischen Handyfirmen die Geräte aus dem Ausland, um sie umzulabeln und dann zu Niedrigstpreisen auf den Markt zu werfen. Ein ruinöser Preiskampf, den die weltweit agierenden Hersteller zum größten Teil nicht mitmachen wollen. Die meist staatlichen oder halbstaatlichen Betriebe konnten sich dagegen bislang das Verlustgeschäft mit den Dumpingpreisen leisten. Doch nun will die Regierung die Überproduktion offenbar stoppen.

Mit einer Reglementierung der Importe wolle die chinesische Regierung die Wertschöpfungskette verbessern, sagt ein Sal.-Oppenheim-Analyst gegenüber manager-magazin.de. Sollte die Überlegung tatsächlich umgesetzt werden, könnten die Hersteller wie Motorola, Nokia und schließlich auch Siemens möglicherweise davon sogar profitieren, meint der Experte.

Glück für Motorola & Co.?

Motorola begrüßte so auch das Vorhaben. "Wir haben eine Menge in China in die Produktion, Design, Engeneering, Infrastruktur und Anlagen investiert", heißt es. Auch bei Siemens nimmt man die Nachricht positiv auf. Um überhaupt in den chinesischen Markt eintreten zu können, hätte sich Siemens verpflichten müssen, 60 Prozent der Produktion in China vorzunehmen, sagt Siemens-Sprecher Axel Schafmeister. Den ruinösen Preiskampf habe man aber nicht mitmachen können.

Bisheriger Marktführer in China ist Motorola, an zweiter Stelle folgt Nokia. Auch Siemens  und Samsung  gelten als stark. Neuerdings habe sich aber der chinesische Hersteller TCL den dritten Platz erobert. Auf Aufholjagd befinde sich zudem der chinesische Hersteller Bird.

Der Siemens-Sprecher sagt gegenüber manager-magazin.de, der Konzern habe im ersten Halbjahr in China deutlich beim Marktanteil verloren, doch im Juli sei dieser Abwärtstrend gestoppt worden und Siemens habe wieder leicht dazugewonnen. Als Grund gab er an, dass Siemens seine Marketingaktivitäten in China verstärkt habe. So heiße beispielsweise das Äquivalent zur hiesigen Fußball-Bundesliga Siemens Mobile Liga.

Christop Nettesheim, Telekommunikationsexperte bei Boston Consulting, sagt, anders als die chinesischen Handyhersteller hätten die europäischen Unternehmen viel mehr Probleme beim Vertrieb ihrer Geräte. Die einheimischen Unternehmen wie beispielsweise TCL seien auch auf dem Markt für Unterhaltungselektronik sehr stark und könnten so die Händlernetze für ihre Mobilfunkgeräte nutzen. Den Aufbau dieser Vertriebsstruktur könnten sich die Europäer wie Nokia und Siemens gar nicht leisten.

Dass die Billighandys jedoch vom Markt verschwinden, davon gehen Experten nicht aus. So bereitet TCL sich angeblich bereits auf Änderungen der Importbedingungen vor und will die entsprechende Praxis Ende des Jahres einstellen. Auch Legend, ein PC-Produzent, wolle künftig mehr in die eigenen Entwicklung stecken, heißt es.

Experten rechnen jedoch damit, dass der staatlich reglementierte Markt in China auf Konsolidierungskurs gehen könnte. Alledings würden sich die chinesischen Unternehmen bereits nach neue Absatzmärkte umschauen. Über kurz oder lang kämen sie auf den europäischen Markt. Als möglichen Vertriebsweg haben die Branchenkenner Supermärkte und Discounter ausgemacht.