Motorola Chinesische Fabrik geht an Chinesen

Motorola plant, eine seiner Chipfabriken in China an das einheimische Unternehmen SMIC zu verkaufen. Die Produktionsstätte liegt fast brach, weil der chinesische Inlandsmarkt durch attraktive Importbedingungen aus dem Ausland beliefert wird.

Peking - Motorola, nach eigener Auskunft einer der größten ausländischen Investoren in China, plant, sich offenbar von einer seiner dortigen Chipfabriken zu trennen. Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, befindeten sich die Verhandlungen zwischen Motorola und dem größten chinesischen Halbleiterhersteller Semiconductor Manufacturing International (SMIC) in einem "fortgeschrittenen Stadium".

Der in Shanghai ansässige Vertragshersteller SMIC bietet über einen Aktientausch eine Milliarde Dollar für eine Halbleiterfabrik Motorolas im Norden des Landes, die mittlerweile nahezu ungenutzt ist. Von den beiden Unternehmen sei laut "FT" zu hören gewesen, dass eine mögliche Einigung innerhalb der nächsten 30 Tage bevorstehe.

Hinter SMIC stehen internationale Geldgeber wie Goldman Sachs und Walden International. Das Unternehmen bietet Technik, Produktion und Serviceleistungen für große Halbleiterhersteller, die über keine eigenen Fabriken in China verfügen.

Motorola hatte das jetzt zum Verkauf stehende Werk im Jahr 1995 in Tianjin eröffnet, um Chips für Pager auf dem chinesischen Markt anzubieten. Doch die attraktiven Importbedingungen, unter anderem für Mobiltelefone, durch die der Markt mit ausländischen Hightechprodukten überschwemmt wurde, ließ die Fertigung unrentabel werden und damit fast zum Stillstand kommen.

Motorolas Engagement in der Chipherstellung fußte auf einer Studie des Beratungsunternehmens Gartner, die dem chinesischen Inlandsmarkt für Speicherchips für 2003 ein Wachstum um 18 Prozent auf insgesamt 27 Milliarden Dollar prophezeite. Doch nur etwa zehn bis 20 Prozent der Halbleiter kommen aus einheimischer Produktion. Die Pekinger Regierung versucht darum, ihre eigenen Chipfabriken durch Steuersubventionen zu stärken.