ProSiebenSat1 MBO bei ddp

Sie war die Nachrichtenagentur der DDR. Nach der Wende gelangte ddp in verschiedene Hände. Nun hat auch die Fernsehgruppe ProSiebenSat1 nach langer Suche die Nachrichtenagentur veräußert. ddp wurde an das eigene Management verkauft.

München - ProSiebenSat1  suchte schon lange einen Käufer für die Nachrichtenagentur ddp. Nun ist eine Lösung gefunden. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, wird das ddp-Management die Agentur übernehmen. ProSiebenSat1 hat seine Tochter rückwirkend zum 1. Juni an die SFG Beteiligungs GmbH verkauft, die mehrheitlich im Besitz des ddp-Geschäftsführers Lutz Schumacher und des Vertriebs-Leiters Wilfried Hub ist.

Der Fortbestand der Agentur sei damit für die nächsten Jahre gesichert, sagte ein Sprecher der zur ProSiebenSat1 gehörenden Seven One Intermedia GmbH. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

ddp ist mit 160 festen Mitarbeitern die zweitgrößte deutsche Nachrichtenagentur. Ursprünglich war ddp die Nachrichtenagentur der ehemaligen DDR. 1994 war die Agentur in den zeitweiligen Besitz von Bolko Hofffmann gekommen. Der Zockerpapst ("Franfkruter Allgemeine Sonntagszeitung") und Vorstand der Effecten-Spiegel AG kaufte sie dem Journalisten Wolf Schneider ab.

Seit 1999 gehört ddp - damals noch ddp/ADN - zur ProSiebenSat1-Gruppe, die seit dem nach einer Lösung für das Agenturnetz suchte. Um mit dem Hauptkonkurrenten dpa mithalten zu können, baute das Unternehmen kräftig aus und eröffnete zahlreiche Landesbüros. Aus den roten Zahlen konnte die Agentur jedoch nicht gehievt werden. 2002 zeigte sich schließlich sogar Moritz Hunzinger an der Agentur interessiert. Wenig später sah er aber davon wieder ab.

Haim Saban hat damit nichts zu tun

Wie ProSiebenSat1 nun unterstrich, habe der jetzige Verkauf der defizitären Tochter an das Management nichts mit der Übernahme der Sendergruppe durch den US-Milliardär Haim Saban zu tun. Nach einer neuen Gesellschafterstruktur sei schon länger gesucht worden. "Wir begrüßen die Lösung. Wir haben einen Investor gefunden, den wir kennen und der die Agentur dynamisch weiterentwickeln kann", sagte ein ProSiebenSat.1-Sprecher.

Der TV-Konzern hatte sein ddp-Engagement bereits weitestgehend abgeschrieben, daher wird der Verkauf nach Angaben des Sprechers keinen größeren Einfluss auf die Ertragsrechnung in diesem Jahr haben. Die Geschäftsbeziehungen zwischen ddp und dem ProSiebenSat.1- Konzern sollen langfristig fortgeführt werden.

Die neuen Gesellschafter wollen ddp nach eigenen Angaben als unabhängige Nachrichtenagentur weiterführen. "Die Übernahme von ddp als eigenständige GmbH ist für uns als neue Gesellschafter eine spannende und faszinierende Herausforderung, der wir uns mit journalistischem Herzblut stellen", sagte Schumacher, der auch ddp-Chefredakteur ist. Akzente setzen wolle die Agentur unter anderem mit ihrem Bilder-Dienst und dem Ganzseiten-Angebot. ddp hat nach eigenen Angaben rund 400 Kunden.

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