EMI / BMG / Warner Besser alleine

Die Musikindustrie klagt über Raubkopien und über schrumpfende Umsätze. Wie die Krise meistern? AOL Time Warner und Bertelsmann basteln stetig an einer Zusammenarbeit. Auch EMI suchte den Schulterschluss - bis jetzt, denn nun wollen die Briten beim Alleingang bleiben.

London - EMI  will angeblich nicht mehr. Erst vor wenigen Wochen berichteten Medien, der britische Musikkonzern habe AOL Time Warner  ein Angebot gemacht, über eine gemeinsame Zukunft der Musiksparten zu sprechen - wohl um eine Marktdominanz von Warner Music und Bertelsmanns BMG zu vermeiden. Doch EMI hat sich einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge nun doch gegen Warner Music entschieden.

Das Management der Londoner Plattenfirma glaube nicht mehr an einen gleichberechtigten Zusammenschluss, schreibt die Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Die meisten Fusionen gingen am Ende schief, konstatierten die Insider.

EMI vollzieht damit offenbar eine Kehrtwende. Lange war der Konzern auf der Suche nach einem starken Partner, mit dem das Unternehmen die Krise in der Musikbranche meistern wollte.

So soll EMI auch mit dem japanischen Konzern Sony intensive Gespräche geführt haben. Als diese jedoch die Führung des neu zugründenden Unternehmens beanspruchten, habe EMI die Gespräche abgebrochen. Eine Übernahme sei also nie in Frage gekommen, so die Zeitung.

Wende zum Teil geschafft

Nun, so schreibt das Blatt, sei der Konzern zu der Überzeugung gelangt, er könne die Krise auch alleine durchstehen. Musikchef Alain Levy hat in den vergangenen beiden Jahren bereits ein rigides Sparprogramm eingeleitet. Er strich 1900 von 11.400 Stellen. Die Fixkosten sollen um rund 100 Millionen Pfund pro Jahr abgebaut worden sein.

Im US-Geschäft soll EMI bereits die Wende geschafft haben und wieder einen Gewinn erwirtschaften. Auch sei der Marktanteil in den USA von zehn auf elf Prozent gestiegen.

625 Millionen Pfund für AOL-Musiksparte geboten

Das klingt viel versprechend, zeigt es doch, dass die Musikindustrie durchaus aus eigener Kraft ihre Situation verbessern könnte - obwohl Raubkopien nach wie vor nicht verhindert werden können. Dennoch, einen möglichen Zusammenschluss von Warner Music und Bertelsmanns BMG werten Experten als Rückschlag für EMI.

Die Briten sollen unlängst sogar 625 Millionen Pfund für die Musiksparte von AOL Time Warner geboten haben, um einen möglichen Zusammenschluss zu verhindern. Doch offenbar ohne Erfolg.

Stattdessen hätten Bertelsmann und der US-Konzern die Frist noch einmal verlängert, um über den Zusammenschluss ihrer beiden Musikgeschäfte zu sprechen. Die "New York Post" berichtet am Mittwoch, dass AOL Time Warner und Bertelsmann festhielten an dem Plan, ihre Musiksparten zusammenzuführen.

BMG bislang noch größter Verlustbringer des Konzerns

Ein Treffen in London am vergangenen Dienstag sei mit dem Ziel anberaumt worden, zu klären, ob die Konzerne ihre Differenzen überwinden könnten. An dem Treffen hätten unter anderem AOL-Time-Warner-Chef Jeff Bewkes, der Warner Music-Chef Roger Ames, Siegfried Luther, Finanzchef von Bertelsmann, sowie BMG-COO Michael Smellie teilgenommen. Man habe sich nun für den 15. September wieder verabredet.

Bertelsmann will indes zu den Presseberichten keine Stellung nehmen. Doch dass Konzern-Chef Gunter Thielen etwas unternehmen will, sagte der Vorstandsvorsitzende bereits vor Monaten.

Derzeit gilt BMG noch als größter Verlustbringer des Konzerns. Wie Bertelsmann in der vergangenen Woche mitteilte, führten hohe Sonderabschreibungen im ersten Halbjahr bei BMG zu einem Verlust von 117 Millionen Euro.