E-Trade Ganz nah am Geschehen

Die deutsche Tochter des US-Konzerns will das Jahr 2003 mit schwarzen Zahlen abschließen. Für das Image und um den Kontakt zu Institutionellen zu stärken will E-Trade Deutschland nun Repräsentanzen direkt in den deutschen Börsenhäusern eröffnen.

Berlin - E-Trade Deutschland will in diesem Jahr profitabel werden. Einen Strategiewechsel wie es einige der großen Online-Broker vornehmen, plant der Deutschland-Chef Dirk Piethe nicht. Jedoch will das Unternehmen außer in Düsseldorf auch in Frankfurt und München Repräsentanzen eröffnen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Mit den Niederlassungen sucht Piethe den Kontakt zu den institutionellen Händlern, aber auch für das Image will er etwas tun. Denn die Niederlassungen - bestehend aus ein oder zwei Mitarbeitern - werden direkt in den Börsen etabliert, sagt Piethe gegenüber manager-magazin.de. Weiter will der Manager nicht in das Filialgeschäft einsteigen - im Gegensatz zu Konkurrent Comdirect .

Onlinehandel mit Wertpapieren bislang Kerngeschäft

"Wir konzentrieren uns ganz auf den Onlinehandel mit Wertpapieren", sagt Piethe. Anders sieht das Geschäftsmodell jedoch in den USA aus. Dort fährt E-Trade  zweigleisig und bietet neben dem Brokerage auch ganz normale Bankdienstleistungen an.

So würden Hypothekendarlehen vertrieben, Autokäufe finanziert und Spareinlagen verwaltet. Langfristig solle das Modell auf die ausländischen Sparten übertragen werden, sagte Mitchell Caplan, CEO der E-Trade Group, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Doch zunächst habe die Konzentration auf den Internet-Wertpapierhandel dazu beigetragen, dass E-Trade überhaupt Luft gehabt habe, die dreijährige Flaute zu überstehen.

Schritt für Schritt folgt der Ausbau

E-Trade wurde vom Niedergang an den Börsen wie andere auch voll erwischt. Der Aktienkurs fiel von 60 Dollar im Jahr 1999 auf 3,60 Dollar im März. Dazu kam, dass Caplans Vorgänger, Christos Cotsakos, sich trotz hoher Verluste ein Einkommen für die Jahre 2001 und 2002 von rund 100 Millionen Dollar zukommen ließ.

Cotsakos musste schließlich gehen. Doch davon ist nun keine Rede mehr. Jetzt will das Unternehmen Gewinn machen.

Caplan gibt seinen Auslandstöchtern auch entsprechende Vorgaben. Ab dem Jahr 2005 sollen sie konzernweit eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent schaffen. Großes Potenzial zieht er in Deutschland - vor allem für organisches Wachstum. Dennoch ist der CEO auch weiteren Zukäufen durchaus aufgeschlossen.

18 Unternehmen seit 1996 zugekauft

Seit 1996 hat die Gruppe weltweit 18 Unternehmen zugekauft. Der Preis muss stimmen, sagt Caplan. Er rechnet bis auf weiteres mit einem jährlichen Marktwachstum bei Internet-Transaktionen von 10 bis 15 Prozent. Im ersten Quartal verzeichnete die Gruppe weltweit 85.000 Trades pro Tag.

In Deutschland zählt der Online-Broker weit mehr als 10.000 Kunden. Genauere Zahlen will Piethe nicht angeben. In den kommenden Jahren will der Deutschland-Chef nach und nach einige weitere Angebote mit ins Portfolio des Online-Brokers aufnehmen.

"Das machen wir Schritt für Schritt", sagt Piethe. "Es werden nur Dienstleistungen sein, die die Kunden auch nachfragen". Dabei müsse das Unternehmen die Angebote nicht neu erfinden, sondern könnte auf die Erfahrungen aus den USA zurückgreifen. Eile habe E-Trade Deutschland damit aber nicht.

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