Siemens Der Kommissar

Konzernchef Heinrich von Pierer hat die Sanierung der Sparte Information and Communications (I&C) zur Chefsache erklärt. Kommissarisch will er künftig den Bereich - in den auch die Handysparte fällt - betreuen. manager-magazin.de sprach mit ihm über diesen Plan.
Von Andreas Nölting

mm.de:

Herr von Pierer, Sie werden künftig neben Ihrer Aufgabe als Vorstandsvorsitzender auch das Geschäftsfeld Information and Communications (I&C) kommissarisch leiten. Wie wollen Sie den Not leidenden Bereich sanieren?

von Pierer: Ich werde dieses Geschäftsfeld nicht leiten, sondern es betreuen. Dabei nehme ich das Wort kommissarisch wirklich sehr ernst. Ich meine, wir sind in diesem Bereich auf einem guten Weg. Das gilt für unser Netzwerkgeschäft, den Mobilfunk und unsere IT-Tochter Siemens Business Services (SBS). Ich werde die Programme, die wir aufgelegt haben, konsequent weiter verfolgen und zum Erfolg führen.

mm.de: Warum betonen Sie das Wort kommissarisch so sehr? Haben Sie bereits Pläne, nach einigen Monaten die schwierige Aufgabe einem anderen Manager zu übergeben?

von Pierer: Ich habe den Begriff "kommissarisch" immer betont. Das ist nur leider von der Presse nicht richtig aufgenommen worden. Im manager magazin und im SPIEGEL allerdings habe ich es richtig gelesen: Ich werde dieses Geschäftsfeld kommissarisch betreuen. Wie lange ich diesen Job habe, da möchte ich mich nicht festlegen. Darüber wird der Aufsichtsrat befinden.

mm.de: Sie übernehmen diese Aufgabe zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt. Die drei Geschäftsfelder verfehlen ihre Ziele. Bei Handys etwa verliert Siemens weiter Marktanteile. Weniger als sieben Prozent aller weltweit verkauften Mobiltelefone haben Ihr Label und Sie sind damit von der Zielgröße 15 Prozent weit entfernt.

von Pierer: Die Monate Juli und August waren ungewöhnlich gut. Wir gewinnen wieder Marktanteile hinzu, weil wir neue und attraktive Geräte auf den Markt gebracht haben. Aber es ist richtig - bis zu einem Weltmarktanteil von 15 Prozent haben wir noch einen langen Weg vor uns.

mm.de: Werden Sie die Handyproduktion nicht bald komplett aus Kostengründen nach Fernost verlagern?

von Pierer: Wir haben heute schon eine große Fabrik in China, in der wir Handys produzieren. Da wir unseren Marktanteil rasch erhöhen wollen, überlegen wir immer wieder, wie wir vor allem durch eine Kooperation im Bereich der Technik noch schneller neue Produkte auf den Markt bringen können. Solche Kooperationen sind ja im Mobilfunk nichts Ungewöhnliches; wir haben sie ja zum Beispiel bei UMTS mit Motorola und NEC.

mm.de: Ihr Geschäftsfeld Siemens Business Services (SBS) ist im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Werden Sie das Serviceunternehmen bald in ein Joint Venture geben?

von Pierer: Es gibt sehr, sehr viele Spekulationen. Ich habe mir angewöhnt, zu Gerüchten keine Stellung zu nehmen. Ich möchte diesen Punkt daher nicht kommentieren.