"Tagesspiegel" Bauer gegen Holtzbrinck

Um den Berliner "Tagespiegel" ist ein regelrechter Wettlauf entstanden. Der Bauer-Verlag lässt nicht locker und will das Blatt übernehmen. Besitzer Holtzbrinck wirft den Hamburgern vor, nicht wirklich an der Zeitung interessiert zu sein. Clement will sich nun in den nächsten Tagen entscheiden.

Berlin - Die heiße Phase um den "Tagesspiegel" und den Berliner Verlag hat begonnen. Am Montag fand eine öffentliche Verhandlung zum Antrag auf eine Ministererlaubnis statt, bei der die Verlagsgruppe Holtzbrinck beantragt hat, den Berliner Verlag ("Berliner Zeitung") übernehmen zu dürfen. Das Bundeskartellamt hatte den Stuttgartern den Berliner Zukauf zuvor untersagt.

Um die Zukunft des "Tagesspiegel" ist dabei ein regelrechter Wettlauf der beiden Verlagshäuser Bauer und Holtzbrinck entbrannt. Der Hamburger Verleger Heinz Bauer sagte am Montag während der Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium, er sei bereit, jene Sicherheiten, die der jetzige Besitzer Holtzbrinck dem Blatt für die nächsten 20 Jahre gebe, zu übernehmen. Bauer bot an, die Zeitung für 20 Millionen Euro zu kaufen und sieben Jahre lang eine Garantie bei einer Vertragsstrafe von zehn Millionen Euro zu geben, sollte er den "Tagesspiegel" nicht länger halten können.

Verleger Stefan von Holtzbrinck dagegen versprach, die Bedingungen für den Erhalt des Blattes erweitern zu wollen. So solle die redaktionelle Unabhängigkeit nachgebessert werden. Auch sei sein Haus bereit, einen 20-jährigen Unternehmensvertrag mit der Redaktion zu schließen. Holtzbrinck unterstrich, Ziel sei es, den "Tagesspiegel" langfristig als Zeitung aus Berlin zu sichern.

Vorwürfe und Schuldzuweisungen

Zum Auftakt der Anhörung hatte Holtzbrinck-Anwalt Rainer Bechthold für eine Ministererlaubnis zur Fusion von "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" geworben. Er betonte, die beantragte Fusion sei die einzige Lösung zur Sanierung des "Tagesspiegel", der allein auf dem Berliner Zeitungsmarkt nicht lebensfähig wäre. Bauer hielt er vor, nicht ernsthaft am Erhalt des "Tagesspiegel" interessiert zu sein. Vielmehr handele es sich um eine "rein taktische" Offerte, die die Aussicht auf eine Ministererlaubnis behindern soll. Der stellvertretende Vorsitzende der Georg von Holtzbrinck GmbH, Michael Grabner, bat noch für Montag um die Sondererlaubnis des Ministers.

Doch ein leichtes Spiel wollte der Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) den Beteiligten nicht machen. Als ein Vertreter von Holtzbrinck nicht auf Clements Frage antworten konnte, ob der Verlag denn tatsächlich den "Tagesspiegel" verkaufen wolle, unterbrach Clement die Sitzung für 15 Minuten. Nun müsse mit dem Taktieren Schluss sein, forderte Clement. Zuvor hatte Clement eine baldige Entscheidung in Aussicht gestellt. Er wolle in den nächsten Tagen die "Phase der Entscheidung" einleiten, kündigte Clement an. Wie die Entscheidung aussehe, sei jedoch "noch offen". Er fügte hinzu: "Wir sind in keiner Weise festgelegt."

Döpfners Drohgebärden

Zuletzt hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder in Aussicht gestellt, möglicherweise das Mediengesetz dahingehend verändern zu wollen, dass Übernahmen von Zeitungen einfacher werden könnten.

Im Zuge des genehmigungsverfahrens schaltete sich auch Mathias Döpfner, Vorstandschef des Axel Springer Verlags, ein. Er gedrohte, wenn Clement Holtzbrinck die Übernahme des Berliner Verlags bei gleichzeitigem Besitz des "Tagesspiegels" erlaube, würde er die Tageszeitung "Die Welt" einstellen.

Auf der Sitzung unterstrich der Axel-Springer-Verlag, eine Verlagsfusion würde die wirtschaftliche Grundlage seiner Zeitungen "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" untergraben. Wenn ein Verlag in einer Stadt zwei Zeitungen besitze, seien Absprachen unter den Blättern unvermeidlich. "Da hat ein Dritter keine Chance", sagte Springer-Geschäftsführer Josef Probst. Holtzbrinck habe sich um einen Verkauf nicht wirklich bemüht. Sein Haus werde im Fall einer Ministererlaubnis dagegen vor Gericht ziehen.

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