Comdirect Anleger lassen Kassen klingeln

Die Quickborner Onlinebank hat im abgelaufenen Quartal wieder einen Gewinn verzeichnet. Grund ist das gute Börsenklima und die investitionsfreudige Kundschaft. Sparen allerdings ist noch immer angesagt - zumindest teilweise.

Quickborn - König Kunde sei Dank: Deutschlands größter Onlinebroker Comdirect  hat im zweiten Quartal dieses Jahres einen deutlichen Gewinnsprung erwirtschaftet. Grund seien die stark gestiegenen Handelsaktivitäten der Kunden, sagte Bankchef Achim Kassow.

Das Unternehmen bekräftigte zudem, im Gesamtjahr operative Gewinne machen und die Kosten weiter senken zu wollen. Der Nachsteuergewinn ist von 2,42 Millionen Euro im Auftaktquartal auf nun 6,2 Millionen Euro angestiegen.

Profitiert hat die Bank vom weltweiten Börsenaufschwung in den vergangenen Monaten. Dieser ließ die Orderzahl der Comdirect-Kunden im zweiten Quartal um 22,6 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten steigen. Dadurch seien die Provisionserträge auf 24,2 Millionen Euro geklettert. Zum Vergleich: Im ersten Quartal des Jahres lagen diese noch bei 18,7 Millionen Euro.

"Ich bin der Überzeugung, dass wir sowohl im dritten als auch im vierten Quartal positiv abschließen werden", so Kassow. Deshalb sei das Unternehmen in der Lage seinen Aktionären in diesem Jahr erstmals eine Dividende in Aussicht zu stellen. Eine genaue Gewinnprognose wollte Kassow jedoch nicht abgeben.

Mehr Aktienhandel, weniger Kunden

Trotz des Börsenaufschwungs im zweiten Quartal schrumpfte die Zahl der Comdirect-Kunden zum Halbjahr auf 612.472. Im Vorjahr waren es noch 630.067. Von den verbliebenen nutzten 586.949 Kunden das "Direct-Brokerage". "Wir machen derzeit rund 200 Euro Umsatz pro Jahr und Kunden", sagte Kassow.

Normale Banken mit umfassenden Finanzangeboten können ihm zufolge bis zum Achtfachen pro Jahr und Kunde verdienen. Um den Kundenumsatz zu erhöhen, baut die Bank derzeit eine Tochtergesellschaft für persönliche Finanz- und Vermögensberatung auf. 180 Berater aus dem Bereich will die Comdirect ab dem nächsten Jahr dafür einstellen.

Stationäre Filialen in Ballungszentren

Konkret: Die Onlinebank will sich auch offline positionieren und plant dazu den Aufbau von 20 Standorten bis 2006. Den Anfang werden Filialen in Hamburg und München machen, anschließend folgen Frankfurt und Berlin. Diese Strategie soll Comdirect unabhängiger von den Schwankungen an der Börse machen, so Kassow. Branchenkenner allerdings warnen vor dem kostenintensiven Projekt. Zumal das Mutterunternehmen Commerzbank noch immer auf die Kostenbremse tritt und in der Vergangenheit sowohl Arbeitsplätze als auch Filialen abbauen musste.

Sparen allerdings, wollen beziehungsweise müssen die Quickborner auch. Arbeitsplätze seien davon nicht betroffen. "Wir sind in dieser Hinsicht schon schlank und rank", hieß aus dem Unternehmen. In den ersten sechs Monaten 2003 seien zudem die Verwaltungsaufwendungen zum Vorjahreszeitraum um 22,2 Prozent auf 56,3 Millionen Euro gesunken.

Sie lagen damit im zweiten Quartal jedoch leicht über dem Niveau des Auftaktquartals. Für 2003 sollen die Gesamtkosten eine Höhe von 120 Millionen Euro erreichen. 2002 betrugen sie noch gut 138 Millionen.

An der Börse kamen die Quartalszahlen gut an. Bei sehr hohen Umsätzen legte das Papier mehr als zwölf Prozent auf über acht Euro zu und hat sich damit seit Oktober 2002 fast vervierfacht.

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