Hewlett-Packard Einer für alles

Investitionen von einer Milliarde Dollar, dazu 300 Werbe-Millionen für 100 neue Produkte: Der Druckerhersteller lässt sich den Schritt in den Markt für Konsumelektronik einiges kosten. Doch auf dem tummeln sich noch andere Anbieter.

San Francisco - Ein tristes Leben in Büroetagen will Hewlett-Packard (HP)  seinen Produkten nicht länger zumuten. Der weltweit größte Druckerhersteller möchte nun auch in Wohnzimmern und Handtaschen präsent sein und setzt daher verstärkt auf die Herstellung von Konsumgütern.

Zu diesem Zweck hat HP-Chefin Carly Fiorina gleich eine ganze Reihe neuer Gerätschaften vorgestellt, mehr als 100 Produkte für Privatkunden: Kameras für PDAs, Notebooks, Scanner, Fotodrucker, MP3-Spieler, Digicams sowie einen so genannten Movie-Writer, der VHS-Filme auf DVDs brennt.

Besonderen Wert legt HP bei all seinen Neuigkeiten auf einen möglichst einfachen Datenaustausch zwischen den Geräten. Möglichst drahtlose Netze sollen die Kommunikation etwa zwischen Drucker und Kamera erleichtern. Der Umgang mit Digitalgeräten sei für die meisten Menschen bislang schwierig gewesen, stellt Fiorina fest. Nach Ansicht der Unternehmenschefin ist es damit nun vorbei: "Heute ist ein Neubeginn für Konsumenten, die sich von komplizierter Technologie abgewendet haben."

Vom Bürobedarfs- zum Lifestyle-Lieferanten

Fiorina stößt mit ihrer Wohnzimmerstrategie nicht gerade in ein neues Horn. Der Computerhersteller Apple  versucht schon seit einigen Jahren, vom reinen Bürobedarfslieferanten zu einer Art Lifestyle-Konzern zu konvertieren. Seine Rechner sind nicht mehr nur Computer, sondern schicke Design-Objekte, genauso wie die tragbare Festplatte I-Pod.

Und mit dem Onlinedienst I-Tunes ist es der Firma obendrein gelungen, erfolgreich Musik über das Internet zu verkaufen. Einige Branchenkenner erwarten sogar, dass Apple in den Markt für Videospiele einsteigt und dazu eine eigene Konsole herstellt.

Der Traum vom einfach zu bedienenden Computer

Das gleiche Feld hat vor einigen Jahren schließlich auch Apples Erzkonkurrent Microsoft  mit seiner Xbox betreten. Zumal der Softwareriese, nicht dumm, derzeit dabei ist, seine Spielkiste mehr und mehr zu einer Art Wohnzimmerserver auszubauen. Wie es auch Sony mit der Playstation plant: die Festplatte als Videorekorder, der Internetanschluss zum Surfen und Spielen sowie das obligatorische DVD-Gerät zum Filmanschauen und Musikhören.

Den Traum vom einfach zu bedienenden Computer als Schaltzentrale für das vernetzte Heim, einem Rechner, der sich "wirklich an den Bedürfnissen der Anwender orientiert", den hat Bill Gates bekanntlich schon länger. Zum Beispiel und unter anderem mit dem Tablet-PC. Richtig gelungen ist es dem Firmengründer und Softwarechef der Redmonder bislang jedoch nicht.

"Fantastische Produkte" von Microsoft und HP

Doch Microsoft wäre nicht Quasimonopolist, würde er es nicht immer wieder versuchen. Zuletzt übrigens in Kooperation mit HP. "Athens" heißt der Prototyp eines Computers, der - ausgestattet mit Kamera, Telefon und allerlei Audiofunktionen - zur Kommunikationszentrale für jedermann werden soll. "Athens ist nur ein Beispiel für fantastische Produkte, wenn Hardware- und Software-Unternehmen intensiv zusammenarbeiten", gibt sich Gates bekannt euphorisch.

Bevor der digitale Tausendsassa tatsächlich irgendwann neben der Couch steht, müssen sich die Privatkunden allerdings mit einer Reihe von Einzelkomponenten herumschlagen - nach dem Willen von Fiorina am besten mit solchen, die das HP-Logo tragen.

Hintergund: Zwar rangiert das Unternehmen weltweit auf Platz eins der Druckerhersteller, doch Konkurrenten wie Dell  graben im Brot- und Buttergeschäft HP immer mehr Marktanteile ab. Deswegen investiert Carly Fiorina, außer der Milliarde an Investitionen für die neuen Produkte, nun 300 Millionen Dollar, um ihre Firma auch auf dem Feld der Konsumelektronik bekannt zu machen.

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