Mobilcom Die Geretteten sollen retten

Das krisengeschüttelte Telefonunternehmen wirbt auf der Brust des Hamburger Traditionsvereins FC St. Pauli. Die Marketingmaßnahme scheint auch nötig zu sein, denn Mobilcom hat im ersten Halbjahr 600.000 Nutzer verloren.

Büdelsdorf - "Der FC St. Pauli hat Champions-League-verdächtige Fans, die gezeigt haben, dass sie auch in schwierigen Situationen zu ihrem Verein stehen." Mit diesen Worten begründete Michael Grodd, Marketing-Vorstand von Mobilcom  vor wenigen Wochen den Einstieg seiner Telefonfirma als Hauptsponsor bei den Regionalliga-Kickern vom Hamburger Kiez.

Nibelungentreue hätte sich das Büdelsdorfer Unternehmen auch von seinen Kunden gewünscht. Doch die haben sich offenbar einen anderen Mobilfunk-Verein gesucht: Berichten zufolge hat Mobilcom 600.000 Nutzer in der ersten Hälfte dieses Jahres verloren; nur noch 4,2 Millionen Kunden telefonieren über die Dienste der Büdelsdorfer. Zum Vergleich: Der drittgrößte deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus zählt etwa 7,6 Millionen Kunden und O2 5,04 Millionen.

Im Vergleich zum 30. September 2002 betrage der Rückgang sogar 800.000 Teilnehmer, so Vorstand Grodd: "Damit haben wir den Tiefstand erreicht." Ganz unerwartet kommt der Einbruch jedoch nicht. Bereits im Juni hatte Unternehmenschef Thorsten Grenz angekündigt, dass die Kundenzahl derartig in den Keller gehen würde.

Dennoch habe das Unternehmen im zweiten Quartal sein Ergebnis im Vergleich zum ersten Vierteljahr steigern können, wie die Agentur VWD unter Berufung auf informierte Kreise berichtet. Das Plus betreffe sowohl das Vor- als auch das Nachsteuerergebnis.

Von Januar bis März hatten die Mobilfunker einen Gewinn in Höhe von 500.000 Euro erzielt. Mobilcom wird laut den Berichten seine Prognose für das Gesamtjahr bestätigen. Auf Vorsteuernbasis soll ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden.

Mehr Werbung für Mobilcom

Damit die Hochrechnungen auch eintreffen, plant Mobilcom nun eine "Produktoffensive", um zumindest die Kundenzahl auf dem aktuellen Stand zu halten. Was genau die Schleswig-Holsteiner darunter verstehen, soll auf der Bilanzpressekonferenz am 12. August bekannt gegeben werden. Das Magazin "Focus" berichtet, dass Neukunden vom 12. August an bei einigen Gesprächen 20 Prozent billiger telefonieren, wenn sie auf das bei Vertragsabschluss übliche Handy verzichteten.

Einige dieser Neukunden sollen aus dem Fanlager des Hamburger Traditionsvereins akquiriert werden. Grodd: "Wir wollen Pauli-Handys vertreiben und einen SMS-Service einrichten." Die Anhänger haben sich in der Vergangenheit zumindest sehr spendabel gegenüber ihrem Club gezeigt. Um dem FC St. Pauli vor dem finanziellen Aus im Frühjahr diesen Jahres zu retten, machten die Fans innerhalb von zwei Monaten fast 2,5 Millionen Euro für T-Shirts, Spenden und Dauerkarten locker. Mobilcom steuert in den kommenden drei Jahren geschätzte 400.000 Euro pro Jahr dazu.

Um sich nun auch künftig weitere Marketingaktionen oder neue Dienste leisten zu können, könnten die Büdelsdorfer demnächst ihre Beteiligung an dem Internetdienst Freenet  reduzieren. Eckhard Spoerr, Vorstandschef von Freenet, drängte erst vor wenigen Tagen darauf, dass die Muttergesellschaft ihren Anteil von 76 auf etwas über 50 Prozent verkleinern sollte. Doch noch hat sich der Mobilcom-Vorstand nicht entschieden.

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