RTL Flossen Subventionen?

Der Umzug ist beschlossen, ein Ort ist gefunden. Doch in Köln rumort es. Einem Bericht zufolge könnte die Stadt kräftig nachgeholfen haben, damit sich der TV-Sender für den Standort Köln Messe entscheidet.

Köln - Hat RTL seinen künftigen Firmensitz dem Kölschen Klüngel zu verdanken? Der SPIEGEL berichtet, dass ein vertraulicher Brief von Hürths Bürgermeister Walther Boecker (SPD) an seinen Kölner Amtskollegen Fritz Schramma (CDU) diesen Verdacht nährt.

Eigentlich lag der Kölner Nachbarort Hürth lange Zeit im Rennen um die neue RTL-Zentrale vorne. Doch habe Schramma überraschend die Messehallen direkt gegenüber des Doms und Hauptbahnhofs auf der anderen Rhein-Seite in Köln Deutz zur Miete offeriert. Schließlich bekam Köln den Zuschlag. Die Stadt freute sich. Schramma: "Für die Medienstadt Köln ist dies ein wichtiges Signal."

Doch wie kam es dazu, dass RTL sich gegen Hürth entschied, das ein recht günstiges Angebot offerierte? Der SPIEGEL zitiert aus Boeckers Brief: "Der Standort Messe ist aus vielerlei Gründen teurer, wie konnte dann das Mietangebot günstiger sein als in Hürth, wo sozusagen auf freiem Feld hätte gebaut werden können?"

So sei beispielsweise unklar, wie sich in Köln "standortbedingte Mehrkosten zum Beispiel für Hochwasserschutz" auswirkten. Fraglich sei zudem, ob "möglicherweise verdeckte Subventionen" geflossen seien. Bisher habe Boecker entsprechende Journalistenfragen "immer mit Nichtwissen beantwortet", schreibt der SPD-Mann dem Spiegel zufolge. Boecker dränge nun "schnellstmöglich" auf eine "gemeinsame Sprachregelung", heißt es weiter.

Zwölf Euro Mietpreis zu niedrig

Dem SPIEGEL zufolge hätten Berechnungen aus Branchenkreisen ergeben, dass die Kölner beim Umbau der denkmalgeschützten Rheinhallen allein für die Fassade rund zwei Millionen Euro, für den Hochwasserschutz knapp sieben Millionen und das erforderliche unterirdische Parkhaus über 22 Millionen Euro aufwenden müssten. Der zuletzt genannte Mietpreis von gut zwölf Euro pro Quadratmeter wäre damit kaum marktgerecht, so das Magazin. Ein Sprecher der Stadt dementierte dagegen: "Es sind keine Subventionen geflossen."

Und so kann RTL nun seinen Plan umsetzen und bis 2008 in die historischen Messehallen, die 1924 von Konrad Adenauer eingeweiht wurden, umziehen. Platz böte das Gelände auch den beiden Sendern Vox und Super RTL, deshalb habe man diesen Sendern ein entsprechendes Angebot unterbreitet, teilte RTL bereits mit. Ob auch Teile des Nachrichtensenders N-TV nach Köln-Deutz ziehen könnten, ist nicht bekannt.

Den Auftrag für den Umbau hat übrigens das Unternehmen SKI inne. Die Tochter des Düsseldorfer Architekturbüros HPP - das die Umbaupläne entworfen hat - tritt dabei als Investor und Bauherr zugleich auf.