Samstag, 7. Dezember 2019

Deutsche Telekom Bonner T-ater-Stadl

Der Ex-Monopolist sichert sich Webadressen wie www.t-wurst.de und streitet vor Gericht um einen Buchstaben. Kritiker können darüber nur den Kopf schütteln. Telekom-Markenchef Stephan Althoff erklärt im Interview mit manager-magazin.de, warum der Vorstand trotzdem bei seiner Politik bleibt.

mm.de:

Herr Althoff, erneut ficht die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen einen Prozess aus, in dem es um den Buchstaben T geht. Vor einer Woche haben Sie sich ernsthaft die Internetadressen www.t-wurst.de und www.t-beutel.de gesichert. Wegen solcher Kinkerlitzchen ernten Sie regelmäßig Hohn und Spott. Sind Sie es nicht langsam leid?

Markenbewusst: Stephan Althoff, Leiter Markenführung und Werbung bei der Deutschen Telekom
Althoff: Ja, das sind wir. Und ich kann die Einschätzungen, die von außen zu diesem Thema kommen, auch teilweise nachvollziehen, weil die Fakten manchmal sehr einseitig dargestellt werden. Nur geht es uns darum, eine von uns geschützte Marke zu verteidigen. An jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen jedoch haben wir überhaupt kein Interesse. Wir sind nicht die Prozesshansel, als die wir immer dargestellt werden.

mm.de: Das wirkt nach außen aber nicht so. Ihr Unternehmen gerät wegen Streitigkeiten um das T immer wieder in die Schlagzeilen. Nun geht es gegen die kleine Werbeagentur Team Konzept aus Berlin.

Althoff: Vor Gericht spielt es leider keine Rolle, ob es sich um einen großen Konzern oder eine kleine Werbeagentur handelt. Deshalb versuchen wir immer, möglichst frühzeitig zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. In 99 Prozent aller Fälle einigen wir uns auf außergerichtlichem Weg. Wie etwa mit der Lebensmittelkette Tengelmann, die ebenfalls ein T als Logo führt. Doch letztlich sind wir juristisch gezwungen, das T zu verteidigen.

mm.de: Wer oder was zwingt Sie denn?

Althoff: Im Kern geht es darum, unser Markenrecht am T zu verteidigen. Würden wir über die eine oder andere Verletzung hinwegsehen, dann bekämen wir irgendwann Probleme nachzuweisen, dass es uns wirklich ernst ist, unser Markenrecht zu wahren. Das wäre angesichts des Markenwertes unverantwortlich.

mm.de: Stört es Sie nicht, dass Ihr sowieso angeschlagenes Image darunter leidet?

Althoff: Erstens hat sich unser Image in den vergangenen Monaten massiv erholt. Zweitens ist klar, dass man sich mit diesen Auseinandersetzungen nicht nur Freunde macht. Aber wir betreiben eine vorausschauende Markenpolitik und müssen daher streng darauf achten, dass das T nur für die Deutsche Telekom und seine Produkte steht.

mm.de: Team Konzept hat eine Solidaritätsparty veranstaltet. Damit soll Geld für ein Gutachten gesammelt werden, das klären soll, wie sehr der Buchstabe T in der Bevölkerung mit der Deutschen Telekom assoziiert wird. Wie wird das Ergebnis nach Ihrer Einschätzung ausfallen?

Althoff: 99 Prozent der Bundesbürger verbinden mit dem T die Deutsche Telekom. Daher sind wir, was den Prozess gegen Team Konzept angeht, sehr zuversichtlich, dass ihn die Telekom am Ende gewinnen wird.

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