Siemens Massiver Stellenabbau, schleichend

Die IG Metall schlägt Alarm. Angeblich plant der größte deutsche Elektronikkonzern die Verlagerung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in Billiglohnländer. So sollen Teile der Software-Entwicklung nach China, Indien und Osteuropa gehen.

München - Der größte deutsche Elektronikkonzern Siemens  will laut IG Metall langfristig Teile seiner Software-Entwicklung nach Osteuropa, China und Indien verlagern. Die beiden Siemens-Töchter SISL und die österreichische PSE sollen die Verlagerung dieser Jobs koordinieren.

Outsourcingmaßnahmen wie diese dienen laut IG Metall dazu, Jobs in der Software-Entwicklung aus den Hochlohnregionen Deutschland, USA und Österreich in Billiglohnländer zu verlegen. Wie viele der rund 30.000 allein in Deutschland bei Siemens beschäftigten Softwareentwickler von den Plänen betroffen sein werden, sei aber noch unklar.

Ein Siemens-Sprecher sagte zu den Plänen, dass es sich dabei um eine übliche Form der Produktionsaufteilung handele, die nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolge.

"Outsourcing ist ein grundsätzliches Problem"

Der Elektronikkonzern hat nach Angaben der Gewerkschaft berechnet, dass Entwickler und Ingenieure in Rumänien oder China nur zehn bis 20 Prozent eines deutschen oder amerikanischen Spezialisten kosten. Studien gehen davon aus, dass allein die USA innerhalb der nächsten zehn Jahre 3,5 Millionen IT-Jobs an so genannte Low-Cost-Staaten verlieren werde.

Siemens-Aufsichtsrat und IG-Metall-Mitglied Wolfgang Müller äußert sich gegenüber manager magazin.de besorgt über die Entwicklung: "Outsourcing stellt ein grundsätzliches Problem dar." Müller weiter: "Es muss endlich zu einem Thema der Politik werden, dass am Standort Deutschland immer mehr qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen, weil Unternehmen diese in kostengünstigere Länder verlagern."

Andere Dax-Konzern haben ähnliche Pläne

Darauf deuteten auch entsprechende Pläne etwa der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) oder des Software-Unternehmens SAP (Kurswerte anzeigen) hin.

Erst kürzlich hatte der Siemens-Konzern bekannt gegeben, dass in seiner Krisengeschüttelten Mobilfunksparte ICM bis Ende 2004 zusätzlich eine Milliarde Euro einspart und weitere Stellen gestrichen werden sollen.

Bei ICM werden demnächst 2300 Stellen entfallen

"Bis Ende des nächsten Geschäftsjahres (zum 30. September) sollen rund 2300 Stellen entfallen, davon 500 in Deutschland", teilte Siemens Information und Communication Mobile (ICM) am 30. Juli in München mit. "Ich kann betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen", sagte ein Sprecher, ohne aber konkretere Angaben zu machen.

Der Bereich hatte Ende September 28.600 Mitarbeiter beschäftigt. Die IG Metall kündigte Widerstand gegen die Pläne an.

Als Grund für die erneuten Restrukturierungsmaßnahmen nannte Siemens die anhaltende Marktschwäche, die durch Preisverfall, Überkapazitäten und Investitionszurückhaltung seitens der Kunden gekennzeichnet sei. ICM bekomme wie alle Wettbewerber den erheblichen Margendruck zu spüren. "Diesen Entwicklungen müssen wir Rechnung tragen, um gestärkt aus der Krise zu kommen", erklärte Siemens-ICM-Chef Rudi Lamprecht.

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