Siemens Streichkonzert

Die Mobilfunksparte macht den Münchenern zu schaffen. Nun streicht der Konzern 2300 Stellen. Zuvor hieß es, Siemens habe Rückstellungen aufgelöst, um die Zahlen dieses Geschäftsbereichs nicht zu schlecht aussehen zu lassen.

München - Siemens  streicht erneut Stellen in seiner Mobilfunk-Sparte ICM. Bis Ende des nächsten Geschäftsjahres (September 2004) sollen rund 2300 Arbeitsplätze wegfallen, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Alleine in Deutschland werden 500 Arbeitsplätze gestrichen.

Der Schritt überrascht nicht. Schon zuvor hatte Vorstandschef Heinrich von Pierer angedeutet, dass in der Mobilfunksparte Handlungsbedarf bestehe. Mit den Kürzungen will das Münchener Unternehmen nun die Kosten um eine Milliarde Euro senken. Als Grund gab Siemens die anhaltende Marktschwäche an. Dies ist bereits das dritte Kostensenkungsprogramm bei Siemens Mobile innerhalb der vergangenen zwei Jahren. In den vergangenen beiden Jahren waren bei ICM bereits 4000 Arbeitsplätze gestrichen worden.

Am Mittwoch hatte die "Börsen-Zeitung" berichtet, dass die Sparte Information and Communication Mobile (ICM) von Siemens ohne die Auflösung von Garantierückstellungen im dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) deutlich in die roten Zahlen gerutscht wäre.

Ohne die Auflösung dieser Rückstellungen von mehr als 70 Millionen Euro im Bereich Mobile Phones hätte das Geschäftsgebiet ICM einen höheren zweistelligen Verlust ausweisen müssen, berichtet das Blatt unter Berufung auf gut informierte IG-Metall-Kreise. Stattdessen hatte ICM einen Gewinn von 17 Millionen Euro gemeldet.

Sorgenkinder unter Druck

"Wir schlagen uns in den schwierigen Marktverhältnissen ganz gut", hatte Konzernchef Heinrich von Pierer noch am vergangenen Donnerstag gesagt. Insgesamt hatte der Konzern mit seinem Ergebnis für das dritte Quartal die Märkte überzeugt. Für das laufende Geschäftsjahr (30. September) peilt der Konzern einen Gewinn von mindestens 2,2 Milliarden Euro an.

Doch von Pierer ließ keinen Zweifel daran, dass bei seinen Sorgenkindern - zu denen neben ICM auch die Sparten Netzwerke (ICN) und der Bereich IT-Dienstleistungen (SBS) gehören - Handlungsbedarf bestehe. Auch erklärte er die Sanierung der defizitären Sparten zur Chefsache.

Zwar schloss der Konzernlenker jüngst einen weiteren Stellenabbau für die ICN-Sparte aus "heutiger Sicht" aus. Bei der Mobilfunksparte sprach er aber von Handlungsbedarf, da ICM unter einem "erheblichen Margendruck" leide und sich den "veränderten Marktgegebenheiten anpassen" müsse.

Schon auf einer Betriebsversammlung am 14. Juli soll von Pierer gesagt haben, dass der Konzern Gespräche über die Zukunft des Handy-Geschäfts führe. Der Konzernlenker soll auch Veränderungen bei Siemens Business Services (SBS) angedeutet haben. Hier müsse sich Siemens etwas überlegen, da SBS international zu klein sei, hieß es.

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