Kabelfernsehen Droht bald das Testbild?

Zwischen den beiden Kabelnetzbetreibern Ish und Kabel Deutschland ist ein offener Streit ausgebrochen. Ish hat eine einstweilige Verfügung gegen den größeren Mitstreiter beantragt. Offenbar können sich die Unternehmen nicht auf ein gemeinsames Verschlüsselungssystem einigen.

München - Der Kabelnetzbetreiber Ish streitet sich mit Kabel Deutschland. Wie manager-magazin.de erfuhr, hat Ish beim Münchener Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen die MediaServices GmbH (MSG), ein Tochterunternehmen von Kabel Deutschland, beantragt.

Ein Sprecher des Landgerichts bestätigte gegenüber manager-magazin.de, dass es bei dem Streit um Verschlüsselungssysteme für digitales Fernsehen gehe. Genauere Angaben wurden jedoch nicht gemacht. Bei einem Verhandlungstermin in der kommenden Woche werde der Richter entscheiden, ob er dem Ersuchen stattgibt.

Die krisengeschüttelte Ish betreibt das TV-Kabelnetz in Nordrhein-Westfalen. In den Händen von Kabel Deutschland befinden sich dagegen sechs regionale Kabelnetze wie beispielsweise in Bayern und Schleswig-Holstein. Die Kabelnetze wurden erst vor wenigen Monaten von der Deutschen Telekom  an ein Konsortium um Goldmann Sachs verkauft.

Hintergrund des Streits ist, dass sich Ish und Kabel Deutschland offenbar nicht auf ein gemeinsames Verschlüsselungssystem für digitales Fernsehen einigen können. Bis zum Jahr 2010 soll die Fernsehübertragung bundesweit von analog auf digital umgestellt werden. Jeder Haushalt braucht dafür eine so genannte Set-Top-Box, um damit TV-Bilder empfangen zu können. Die Kabelbetreiber planen, die Angebote um einige Programme mehr anzureichern. So sollen statt 30 TV-Stationen bis zu 50 zusätzliche Programme zu sehen sein.

Schwarzseher bei Premiere

Derzeit arbeiten Kabel Deutschland und Ish noch mit dem System Betacrypt, das bislang auch vom Pay-TV-Kanal Premiere genutzt wird. Betacrypt erwies sich in der Vergangenheit jedoch als nachteilig, da die Technik leicht zu hacken war. Künftig setzt Premiere deshalb auf das Verschlüsselungssystem des Schweizer Unternehmens Nagravision. Ab September will der Bezahlsender die neue Smart Card an seine Abonnenten verschicken.

Aus Branchenkreisen heißt es, dass Kabel Deutschland dazu neige, ebenfalls zu Nagravision zu wechseln. Anders Ish: Der NRW-Netzbetreiber plant den Alleingang. Stolz verkündete das Unternehmen vor gut vier Wochen, 10.000 Set-Top-Boxen des US-Unternehmens Scientific Atlanta bestellt zu haben. Die Decoder arbeiten mit dem Verschlüsselungssystem Powerkey. Experten befürchteten bereits, Ish-Kunden könnten auf Grund der unterschiedlichen Systeme unter Umständen nicht mehr Premiere empfangen.

Zwei Decoder für Premiere-Abonnenten

Ein Sprecher des Kabelbetreibers zerstreute die Sorgen. "Für die Premiere-Abonnenten wird sich nichts ändern." Allerdings müssen die Premiere-Kunden - sollten sie sich für die Zusatzprogramme von Ish entscheiden - einen weiteren Decoder ins Wohnzimmer stellen. Bislang können die Set-Top-Boxen von Scientific Atlanta nämlich das System von Nagravision nicht entschlüsseln. Wie ein Mitarbeiter des Schweizer Unternehmens mitteilte, könnten die Boxen auch nicht nachgerüstet werden. Diese müssten schon vor der Auslieferung die entsprechende Technik aufgespielt bekommen.

Der Ish-Sprecher sagte gegenüber manager-magazin.de, dass Ish die 10.000 Boxen für ein Pilotprojekt benutze. Solange noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei, welches Verschlüsselungssystem bundesweit eingesetzt werde, würden diese Ish-Decoder auch nicht mit dem System von Nagravision ausgestattet. "Uns geht es darum, endlich Erfahrung zu sammeln, wofür die Kunden bereit sind zu zahlen".

Verwunderung über den Streit

Branchenkenner zeigen sich nun über den gerichtlichen Streit über die Verschlüsselungssysteme der beiden Unternehmen erstaunt. Eigentlich wollten die Kabelbetreiber eng in Sachen Digital-TV zusammen arbeiten. Zudem sind Ish und Kabel Deutschland über ihre gemeinsame Verbandstätigkeit Partner.

Möglicherweise dränge Kabel Deutschland das Kölner Unternehmen Ish zu Nagravision zu wechseln, vermuten Experten. Es sei aber auch möglich, dass Ish versuche, langfristige Verträge mit Kabel Deutschland, die noch aus Telekom-Zeiten stammen, zu ändern.

Gegenüber manager-magazin.de wollte sich Kabel Deutschland nicht äußern. Auch Ish hält sich mit Erläuterungen zur beantragten einstweiligen Verfügung zurück. "Wir wollten Zeit für Gespräche gewinnen, das haben wir erreicht", ist aus der Kölner Zentrale zu hören. Die Gespräche zwischen Ish und Kabel Deutschland seien voll im Gange, heißt es in Branchenkreisen. Vielleicht bleibt dem Gericht in der kommenden Woche die weitere Arbeit in diesem Fall erspart.

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