Google Neues aus dem Suchmaschinenland

Die bekannte Suchmaschine bietet schon seit einiger Zeit ein englischsprachiges Nachrichtenangebot. Nun startet Google eine Offerte auf Deutsch. 700 Quellen wertet die Internetfirma dafür aus.

Google - "Rücktritt wegen Drogenaffäre" - Michel Friedmans Drogeneskapaden prangen als Aufmacher am Dienstagvormittag auf der neuen Nachrichtenseite der wohl bekanntesten Suchmaschine weltweit. Google hat nur wenige Stunden zuvor seine deutschsprachige Nachrichtenseite live gestellt. Ab sofort durchforstet eine spezielle Software 700 Quellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie aus Russland, Ungarn und China. Bislang gab es nur Nachrichten in englischer Sprache, die deutsche Offerte ist das erste anderssprachige Angebot von Google weltweit.

Wer damit gerechnet hat, dass Google sich nun eine große Mannschaft an Redakteuren zusammengesucht hat, wird enttäuscht. Mitarbeiter der schreibenden Zunft sucht man bei Google vergebens. Allein die Technik bestimmt die Inhalte der Site.

"Wir sind auf die kollektiven redaktionellen Entscheidungen der Nachrichtenquellen angewiesen", erklärt Michael Schmitt, technischer Leiter von Google News. Durch einen bestimmten Gruppierungsalgorithmus würden die News auf der Startseite präsentiert. Ein Klick führt dann auf die Meldung des entsprechenden Nachrichtenangebots.

Warnung vor dem "Herdenjournalismus"

Google stieß in der Vergangenheit mit seinem US-Nachrichtenangebot nicht nur auf Zustimmung. So wurde kritisiert, dass Google News wegen seines automatisierten Auswahlprinzips lediglich die Bedeutung der Topnachrichten verstärke und zu einem "Herdenjournalismus" beitrage.

Mit der Auswahl und der Bewertung der Quellen würden sich die Google-Algorithmen etwas schwer tun, kommentierten verschiedene Medien. So wurde im vergangenen Jahr beispielsweise der SPD-Sieg bei den Bundestagswahlen zwar an erster Stelle als Topmeldung geführt, die Quelle führte jedoch zur iranischen Nachrichtenagentur Irna.

"Es ist ein voller Erfolg"

Dennoch, der Erfolg Googles spricht für sich. Die Suchmaschine, der eine Umsatzrendite von 30 Prozent nachgesagt wird, hatte vor über einem Jahr ihr englischsprachiges News-Angebot gestartet. "Es ist ein voller Erfolg", kommentiert ein Mitarbeiter gegenüber manager-magazin.de. Mittlerweile wertet das Unternehmen rund 4500 englischsprachige Quellen aus.

In den USA wurde das Angebot bereits mit dem "Webby" ausgezeichnet, eine Art Internet-Oscar, den die Acadamy of Digital Arts and Science verleiht. Auch für das deutsche Angebot rechnet das Unternehmen auf viel Zuspruch.

"Wir hoffen, dass wir so viele Nachrichtenquellen wie möglich für unser Angebot gewinnen können", heißt es. Ob weitere Nachrichtenangebote in anderen Sprachen hinzukommen, ist noch nicht entschieden. "Wir prüfen derzeit den Markt."

Keine Angst vor "Deep Links"

Eine direkte Refinanzierung ist nicht geplant

Werbung finden die Nutzer nicht auf den Nachrichtenseiten. Eine direkte Refinanzierung sei nicht geplant. "Wir sehen das als Service für unsere User", verlautbart das US-Unternehmen. Die Nutzer könnten mit dem Angebot bessere Suchergebnisse erzielen.

Um Einnahmen muss sich Google derzeit allerdings auch kaum Sorgen machen. Im Gegensatz zu vielen Dotcoms erwirtschaftet Google seit Jahren Überschüsse. Insider schätzen die Erlöse auf 750 Millionen Dollar, der Gewinn könnte bei rund 200 Millionen Dollar liegen. Googles wichtigster Umsatzbringer: Werbung.

"Key-Word-Advertising" lässt die Kasse klingeln

Das so genannte "Key-Word-Advertising" bietet Werbepartnern die Möglichkeit, gekennzeichnete Werbelinks in den Suchergebnissen zu präsentieren. Google offeriert dies sowohl auf der eigenen Site als auch für die Websites von Kunden.

Im Markt für vermarktete Suchergebnisse kämpft Google dabei unter anderem gegen Overture und Espotting. In Deutschland beliefert Google beispielsweise die Websites der Internetfirma Tomorrow Focus  mit Werbelinks, in Großbritannien konnte sich just Overture gegen Google durchsetzen und den größten britischen Internetprovider Freeserve gewinnen.

Keine Angst vor "Deep Links"

Dass Google möglicherweise wegen der so genannten "Deep Links" auf seiner Nachrichtenseite auf Schwierigkeiten stößt, davon geht das Unternehmen nicht aus. Die Verlagsgruppe Handelsblatt und die Rheinpost hatten sich zwar in der Vergangenheit juristisch gegen ein anderes Angebot gewehrt. Doch die Erfahrung aus den USA habe gezeigt, dass die Quellen sich eher über die zusätzlichen Klicks freuten, sagte eine Mitarbeiterin.

Die Hauptkritik der deutschen Medienhäuser war, dass die Links nicht auf die Einstiegsseiten der Angebote führten, sondern nur auf die einzelnen Artikel. Ob die Unternehmen auch gegen Google vorgehen, ist noch nciht entschieden. "Wir beobachten erstmal die Entwicklung", sagte Andreas Knaut, Sprecher der Verlagsgruppe Handelsblatt gegenüber manager-magazin.de. In den USA ist man dagegen zuversichtlich. Dort hätten sich zahlreiche Unternehmen oder Quellen gemeldet, um in die Auswertung zu gelangen.

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