Sat1 Die Kunst der Wiederholung

Der Berliner Sender steigt in die Talentsichtung ein und erreicht mit Star Search knapp 18 Prozent Marktanteil. Für den Sender ist das ein Erfolg. Das liegt aber weniger am Format, als an der Vergleichsquote.

Berlin - "Die hohe Kunst des Fernsehens besteht in der Wiederholung"', sagt Helmut Thoma, ehemaliger RTL-Chef und Medienexperte. Natürlich meint er damit nicht allein die zwanzigste Ausstrahlung von "Asterix in Gallien", sondern das Kopieren von erfolgreichen TV-Formaten.

Wenn es danach ginge, müssten die Vorstandsetagen der Fernsehsender voller Künstler sein. Denn seit RTL mit "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) einen Quotenhit gelandet hat, wird auf allen Sendern der gute, alte Talentschuppen aufgewärmt.

Am Sonnabend war Sat1 dran - "Star Search" heißt die Sendung, in der Kai Pflaume moderieren und Halbprominente wie Jeanette Biedermann zukünftige Sänger, Comedians und Models beurteilen durfte. Magere 2,17 Millionen Zuschauer sahen sich die Show an, die der Berliner Sender erst gar nicht in der Primetime zeigte. Das entspricht einem Marktanteil von 17,9 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49-Jährigen.

Zuschauerschwund am fussballfreien Samstag

"Damit liegen wir 60 Prozent über Senderschnitt", sagt Unterhaltungschef Matthias Alberti zufrieden. Das klingt gut, aber auch nur, weil Sat1 nicht vermeldet, dass die Quote aller Zuschauer, also inklusive der unter 14 und über 49-Jährigen, nur elf Prozent betrug, und der Sender in den fussballfreien Sommermonaten normalerweise noch weniger Zuschauer hat. Ein Zustand an den sich die Berliner im Übrigen gewöhnen müssen, weil die Bundesliga ab der nächsten Saison in der "ARD" beziehungsweise "DSF" zu sehen sein wird.

Auch im Vergleich zur Übershow vom Kölner Konkurrenten sind die Zahlen mau, wenngleich Helmut Thoma den Herausforderern Mut macht: "DSDS ist auch mühsam gestartet", sagte er gegenüber manager-magazin.de. Im Grunde genommen jedoch, seien die beiden Formate aber überhaupt nicht miteinander zu vergleichen: "Mit Gesang, Comedy und Modelling sind wir viel breiter aufgestellt", sagt Alberti von Sat1 und ein RTL-Sprecher mahnt: "Uns kann man doch wohl nicht ernsthaft mit denen in einen Topf werfen!"

Doch natürlich kann man das. Genau wie demnächst in "Fame Academy" (RTL II)", "Die Deutsche Stimme 2003" (ZDF) und den Neuauflagen von "Popstars" und "Deutschland sucht den Superstar" werden unbedarfte Jungs und Mädchen auf die Bühne geschickt um sich im Zweifel zum Deppen zu machen.

Es wird also wieder munter kopiert und "viele werden damit auf die Nase fallen", prophezeit Thoma. Also auch hier nichts Neues, eigentlich. Auffällig ist aber, dass die Abstände, in denen erfolgreiche Formate abgekupfert werden, um irgendwann wieder in der Versenkung zu verschwinden, immer kürzer werden.

Sparsamer Einsatz für längere Lebensdauer

Während sich zumindest einige Talk- und Quizshows schon einige Jahre halten, kamen und gingen die Containersendungen oder Gerichtsshows innerhalb von nur wenigen Monaten. Welche Sendung das künftige Gewimmel an Talentshows überlebt, weiß natürlich niemand.

Ein Tipp aber hält Helmut Thoma schon bereit - zumindest für diejenigen, die Interesse an einen langfristigen Erfolg haben: "Wie gesagt, die hohe Kunst des Fernsehens besteht zwar in der Wiederholung. Aber bitte nicht zu häufig." Nur mit einem sparsamen Einsatz der Shows, so der Medienmann, könne sich so ein Format über Jahre hinweg halten - solange es denn gewünscht ist.