Ortsnetz Heißer Draht zum Nachbarn

Ab Mitte dieser Woche ist der Telefonmarkt für das Ortsnetz endgültig frei – dann dürfen die Telekom-Konkurrenten mit Preselection-Offerten aufwarten. Die Telekom rechnet indes nicht mit hohen Umsatzeinbußen.

Hamburg - Am 9. Juli ist es soweit, dann tritt die zweite Stufe der Liberalisierung des Telefon-Ortsnetzes in Kraft. Bereits seit April können Kunden via Call-by-Call einen anderen Anbieter wählen als die Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen). Ab Mitte dieser Woche wird der Markt auch für Preselection-Angebote geöffnet - Kunden können sich für eine fest eingestellte Vorwahl entscheiden.

Sechs Prozent Marktanteil hat der Bonner Großkonzern im Ortsnetz bereits an Wettbewerber verloren. Doch T-Com-Chef Josef Brauner gibt sich angesichts eines Marktanteils von immer noch über 90 Prozent gelassen. In den nächsten zwei Quartalen erwarte er keine Überraschungen.

Der "Financial Times Deutschland" sagte Brauner, er rechne mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Millionen Euro in diesem Jahr. Seit April sei der Umsatzschwund nicht überraschend hoch gewesen.

Die Konkurrenz hofft dagegen, der Telekom rund fünf Millionen Kunden abnehmen zu können. Anbieter wie beispielsweise Arcor, Colt Telecom, Freenet, 01051Telecom und Tele2 stehen schon breit, hinzu kommen noch mehrere Lokale Anbieter.

Telekom-Konkurrenten sind verärgert

Thomas Rompczyk, Pressesprecher von Arcor, sagte gegenüber manager-magazin.de, das Unternehmen rechne damit, dass die weitere Öffnung dem Ortsmarkt den nötigen Schwung gebe. Arcor hoffe, dass ein Großteil der bisherigen Preselection-Kunden für Ferngespräche nun auch bei den Ortsgesprächen zu Arcor wechsele.

Doch bereits vor der Öffnung am Mittwoch sind die Telekom-Wettbewerber einmal mehr über die Deutsche Telekom verärgert. Sie werfen dem Konzern vor, mit langen Bearbeitungszeiten für Wechselanträge den Wettbewerb zu behindern. Brauner sagte der Zeitung, dass täglich 15.000 Anträge bearbeitet werden könnten. Sollte es zu Engpässen kommen, könne das Unternehmen weitere Kapazitäten aufbauen.

Für die Konkurrenten kann es jedoch nicht schnell genug gehen. Jürgen Grützner, Geschäftsführer beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM: "Der Erfolg des Wettbewerbs hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, die Dienstleistungen einfach und ohne Verzögerung kundenfreundlich und kostengünstig anzubieten."

Telekom-Gebühren: Zur Kasse, bitte

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