SAP "Schlag ins Gesicht"

Der verwöhnte Konzern erleidet einen Rückschlag. Partner Siemens will seine Bankensoftware entgegen vorheriger Abmachung doch weiter entwickeln. Erste Kunden haben bei Siemens SBS bereits angedockt. Experten befürchten eine Signalwirkung.

München - Stolz verkündete Siemens Business Services (SBS) am vergangenen Dienstag einen Auftragsbestand im Wert von 140 Millionen Euro. 15 Banken in Deutschland und Luxemburg hätten sich für die Standardsoftware Kordoba Classic entschieden, mit denen die Unternehmen die Kundenkonten verwalten können, frohlockten die Münchener.

"Für SAP ist das ein Schlag ins Gesicht ", urteilte Theo Kitz, Analyst von Merck Finck & Co., gegenüber manager-magazin.de. Denn ursprünglich hatten Siemens  und SAP vereinbart, mehrere Komponenten der Bankensoftware Kordoba auf SAPs Bankenlösung umzustellen. Die Kordoba-Software sollte im Jahr 2008 auslaufen. Nun soll es 2012 soweit sein.

Klamme Banken

So allerdings wird es nicht kommen. Zwar hat SAP zusammen mit der Postbank die Kordoba-Plattform weiter entwickelt, doch die neue Version kam offenbar bei den 15 Banken nicht an. Die Vorwürfe sind gravierend. Das SAP-Angebot sei zu teuer, die Kordoba-Software könne mehr leisten, schreibt die "Financial Times Deutschland". "Totschlag-Argumente", kommentiert ein Experte.

"Das könnte auf die ganze Branche Signalwirkung haben", sagte Kitz. Die Finanzhäuser stecken derzeit in einer Krise, das Geld ist knapp, auf kostenintensive Neuinvestitionen wird gerne verzichtet. Eine billigere und möglicherweise auch leistungsfähigere Variante käme den Geldinstituten gerade recht. SAP könnten somit wertvolle Umsätze verloren gehen.

SAP: "Wir müssen mit Siemens reden"

Bei SAP spielt man die Meldung jedoch herunter. "Wir haben rund 200 Banken als Kunden. Die Zusammenarbeit ist vielfältig", sagte ein Sprecher. Doch die Walldorfer können ihre Irritation nicht ganz verbergen. "Wir müssen jetzt mit Siemens reden", so der Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Ein Siemens-Sprecher kommentiert: "Wir richten uns nach den Wünschen der Kunden." Der Markt entwickele sich derzeit wohl anders als ehemals eingeschätzt. Geplant war, dass rund 47 Banken von der Kordoba-Software zur SAP-Lösung wechseln sollten. "Siemens wird seine Lösung nun doch weiterentwickeln", unterstreicht der Sprecher.

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