BMG Deutschland Da liegt Musik drin

Die Bertelsmann-Tochter kann endlich mal wieder jubeln. Nach tristen Monaten und einem herben Umsatzrückgang hat sich das Blatt in diesem Jahr gewendet. Der Umsatz wächst - gegen den Markttrend und trotz Raubkopien.

München - Es geht also doch. Die Bertelsmann-Sparte BMG Deutschland wächst, und das obwohl der Gesamtmarkt schrumpft und noch immer keine Gesetze gegen Raubkopien greifen. Das Umsatzwachstum verdankt das Musikunternehmen dem Erfolg von "Deutschland sucht den Superstar" und internationalen Künstlern wie Pink oder Santana.

Darüber hinaus habe BMG Deutschland aber auch einen massiven Sparkurs hinter sich, fügte Thomas Stein, BMG-Chef für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz, hinzu. Ende des Jahres werde die Gesellschaft noch knapp 300 Mitarbeiter haben, vor drei Jahren seien es noch 570 gewesen. Außerdem sei die Zahl der aktiven Künstler in den vergangenen zwei Jahren auf 92 halbiert worden.

Die Maßnahmen zeigen Früchte: Im ersten Halbjahr hat BMG Deutschland demnach ein Umsatzplus von sechs Prozent erzielt, während der Markt mehr als 20 Prozent eingebrochen sei. "Wir hoffen, das im Gesamtjahr forttragen zu können", fügte Stein hinzu. 2002 hatte BMG Deutschland einen Umsatz von 237 Millionen Euro erzielt. Die Landesgesellschaft werde in diesem Jahr auch ein "vernünftiges positives Ergebnis" an den BMG-Konzern in New York liefern, sagte Stein. Die Umsatzrendite werde vermutlich im mittleren einstelligen Bereich liegen.

Fusion von Warner Music und BMG?

BMG legt damit den Beweis vor, dass selbst unter schwierigem Wirtschaftsumfeld und trotz aller Klagen über die Auswirkungen von Raubkopien und illegale Internet-Downloads ein Wachstum zu schaffen ist. Derweil beklagt die Musikindustrie weltweit über sinkende Umsätze. Weltweit wird mit einem Rückgang des Musikmarktes sieben Prozent in diesem Jahr gerechnet. Der BMG-Deutschland-Chef erwartet in Deutschland mittlerweile sogar ein Minus von rund 20 Prozent.

Eine Konsolidierung in der krisengeschüttelten Musikindustrie hält Stein trotz guter Nachrichten für unvermeidbar. "Die Marktsituation ist so anstrengend für jeden, dass jeder mit jedem überlegt, was es für Möglichkeiten gibt." BMG steht schon lange im Zentrum von Spekulationen über eine Zusammengehen mit Warner Music, das zu AOL Time Warner gehört. In unternehmensnahen Kreisen hieß es, die Gespräche zwischen den beiden Gesellschaften machten gute Fortschritte und könnten schon in den nächsten zwei Monaten zu einem Ergebnis führen.

Experten rechnen damit, dass sich AOL Time Warner und Bertelsmann auf ein Joint Venture einigen könnten, an dem jeder Konzern 50 Prozent hält. Es könne aber auch um einen finanziellen Ausgleich gehen, zitiert die US-Zeitung "USA Today" am Mittwoch die informierte Kreise. Vorrangiges Ziel der Verbindung sei eine Verringerung der Kosten.

Bis zum Ende des Sommers hofften beide Seiten, ein Joint Venture aufzustellen. Allerdings gebe es noch keine Einigung über die Bewertung der Unternehmen und des jeweiligen Managements. In der Vergangenheit hatten aber Kartellbehörden Fusionen unter den fünf großen Musikkonzernen verhindert.

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