Microsoft Linux-Welt bald unsicherer?

Microsoft hat sich für die Zukunft auch den Schutz vor Viren auf die Fahnen geschrieben. Zu diesem Zweck kauft der Riese ein Virenschutz-Unternehmen - das bisher zehn Millionen Linux-User mit Software versorgte. Nicht mehr lange.

Redmond - Es gibt Unternehmensmeldungen, die sind Stoff für Spötter: Über die neuesten Nachrichten aus Redmond könnte man sagen, dass es Microsoft  per Einkauf gelungen ist, sich dem Sicherheitsstandard von Linux zu nähern. Und zwar nicht durch eine Hebung der eigenen Sicherungsmöglichkeiten gegen Viren, sondern durch eine Senkung auf der Linux-Seite. Von "Microsoft engagiert sich gegen Viren" bis "Microsoft killt populäre Linux-Virensoftware" reichten da die Pressereaktionen.

Tatsächlich gilt Linux als weniger Virenanfällig - nicht zuletzt, weil sich die meisten Virenschreiber auf das weltweit meistverbreitete Betriebssystem stürzen. Als "Killer-Paket" gilt dabei das Doppel Internet Explorer/Outlook, auf dessen immer wieder auftretende Sicherheitslücken die bei weitem meisten Viren zielen. Dass es Microsoft hier bisher nicht gelang, für wirksame Abhilfe zu sorgen, grenzt schon fast an einen erfolgreichen Versuch, sich den eigenen Ruf zu verstümmeln.

Das soll sich ändern: Redmond gab bekannt, dass Microsoft dabei ist, die Virenschutz-Abteilung RAV-Technologies des rumänischen Softwareentwicklers GeCAD zu übernehmen.

10 Millionen Linux-Fans verließen sich auf RAV

Für Microsoft-Nutzer wären das gute Nachrichten, wenn der Betriebssystem-Entwickler ein Schutzprogramm aufs eigene Produkt zuschneidet. Für Linux-Nutzer hingegen sind das miese News, denn RAV bot bisher das populärste Linux-Antivirenpaket zum Schutz von Mailgateways an. Geschätzte zehn Millionen Linux-Fans verließen sich bisher auf RAV. Vorbei: Direkt nach der Übernahme soll die Linux-Produktlinie eingestellt werden.

Der Schritt irritiert Branchenbeobachter, denn bisher produzierte RAV vor allem Linux-Software, während die Windows-Abteilung vergleichsweise klein ist. Ganz offen wird darüber spekuliert, ob Microsoft mit dem Einkauf wirklich ein eigenes Antivirenprogramm schaffen wolle, oder nur den kräftigsten Linux-Konkurrenten abschießen.

"Wegen ihrer Qualität gekauft"

Dem sei definitiv nicht so, versichert Amy Carroll, Kopf der Sicherheitsabteilung bei Microsoft. Wörtlich hieß es auf einer Microsoft-Pressekonferenz: "Wir haben die Technologie wegen ihrer Qualität gekauft, und weil das Team zu uns passt."

Der Linux-Gemeinde wolle man durchaus nicht schaden, doch Microsofts Interessen lägen natürlich vor allem bei der Windows-Produktlinie: "Es wäre schwer, einen Virenschutz-Entwickler zu finden, der nicht Software für verschiedene Plattformen produzierte." Microsoft hat mit RAV den denkbar größten Entwickler von Linux-Schutzprogrammen gefunden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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