Verlagsgruppe Handelsblatt Krise ohne Ende

Der Anzeigenmarkt erholt sich nicht, nun stehen beim "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" Entlassungen an. Auch Redakteure sind dieses Mal betroffen.

Düsseldorf - Die Zeiten sind mies. Der Anzeigenmarkt kommt nicht in Gang, die lang ersehnte Erholung für Zeitungen und Zeitschriften lässt auf sich warten.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, setzt nun die Verlagsgruppe Handelsblatt noch ein Mal den Rotstift an. Erstmals soll dabei auch Redakteuren der Flaggschiffe "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" aus betriebsbedingten Gründen gekündigt werden, sagte ein Sprecher.

Rund 70 Kündigungen würden ausgesprochen, heißt es. Wie viele Redakteure betroffen sind, wollte der Sprecher nicht sagen. In Unternehmenskreisen war von knapp 30 Redakteuren die Rede. Das Gros der beschlossenen Entlassungen betreffe den Anzeigenbereich und die von der Gruppe betriebene Wirtschaftsdatenbank Genios, sagte der Sprecher.

Anzeigenrückgang stärker als erwartet

Die zuletzt im April skizzierte Situation auf dem Anzeigenmarkt habe sich weiter verschlechtert, begründete der Verlagssprecher die Personalkürzungen. "Wir hatten die Kosten schon hinreichend reduziert, aber der Anzeigenrückgang ist noch stärker ausgefallen, als im April erwartet", sagte er.

Die Verlagsgruppe gehe jetzt aber davon aus, dass sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte nicht noch weiter verschlechtere. Im Gegensatz zum Anzeigengeschäft zeigten die Auflagen von "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" steigende Tendenzen.

Die zum Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag gehörende Handelsblatt-Gruppe hatte Mitte vorigen Jahres auf den Einbruch des Anzeigengeschäfts mit drastischen Kostensenkungen, maßgeblich durch den Abbau von 175 Stellen und die Einstellung von Zeitschriften wie der "Telebörse", reagiert. 2002 war der deutsche Werbemarkt bereits das zweite Jahr in Folge geschrumpft.