Bertelsmann Dicke Luft nach geplatztem Buchgeschäft

Eiszeit zwischen zwei Medienkonzernen. Weil Bertelsmann-Chef Thielen den Kauf der AOL-Verlagssparte verzögerte, will AOL Time Warner-Lenker Parsons vorerst nicht mehr über die mögliche Fusion der Musikgeschäfte sprechen.

New York - Der in der vergangenen Woche abgeblasene Verkauf der Buchsparte von AOL Time Warner  war nach Informationen des "Wall Street Journal" keine plötzliche Kehrtwendung des US-Konzerns, sondern Folge eines Telefongespräch mit Bertelsmann.

Chef Gunter Thielen habe AOL-Vorsteher Richard Parsons davon in Kenntnis gesetzt, er müsse die bereits signalisierte Übernahme der Sparte für mehr als 300 Millionen US-Dollar verschieben, berichtet die Zeitung. Dadurch sei das Verhältnis der beiden Konzerne derart abgekühlt, dass jetzt sogar die Verhandlungen über eine Fusion der Musiksparten beider Seiten litten.

Aus Verhandlungskreisen von Warner Music Group und Bertelsmann Music Group (BMG) sei verlautet, einzelne Treffen von Vertretern beider Seiten seien bereits kurzfristig abgesagt worden. AOL sei sehr vorsichtig geworden, was die Musik-Transaktion angehe. Auch die "New York Times" berichtete, der plötzliche Rückzug von den Buchgesprächen habe bei AOL Time Warner zu Vorbehalten über die Bildung eines Joint Venture seiner Warner Music Group mit der BMG-Sparte von Bertelsmann geführt.

Offiziell hatte AOL vorige Woche verlauten lassen, die AOL Time Warner Book Group werde nicht verkauft, weil die Gebote unter dem intern angesetzten Verkaufspreis von 400 Millionen Dollar geblieben seien. Das "Wall Street Journal" berichtet allerdings, CEO Richard Parsons sei nach dem Telefonat mit Thielen sehr aufgebracht gewesen.

Alles nur ein großes Missverständnis?

Dabei soll Thielen der Transaktion keine direkte Absage erteilt haben. Parsons selbst habe aber den Eindruck gehabt, das Geschäft sei geplatzt, nachdem der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende von Widerständen seines Aufsichtsrates gegen die Transaktion berichtet hatte. Zudem hatte der Nachfolger von Thomas Middelhoff den Schuldenabbau bei Bertelsmann als oberstes Ziel genannt, woraus Parsons entnahm, der Abschluss mit AOL müsse warten. Daraufhin habe AOL den Verkauf der Buchsparte abgeblasen.

Aus Bertelsmann-Kreisen erfuhr manager-magazin.de am Donnerstag, hinsichtlich des Deals habe es keine unterschiedlichen Ansichten zwischen Aufsichtsrat und Vorstand gegeben. Es sei vielmehr um das Timing gegangen. Bertelsmann hatte bereits in der Vergangenheit weitere Akquisitionen von dem Verkauf seiner Fachverlagssparte Bertelsmann-Springer abhängig gemacht. Den Verkauf an die britischen Investmenthäuser Cinven und Candover für rund eine Milliarde Euro meldete der Gütersloher Konzern Mitte Mai.

Der Vertrag sei unterschrieben, aber das Geld sei noch nicht eingegangen, hieß es nun am Donnerstag aus den Kreisen. Deshalb hätte Bertelsmann den Kauf der AOL-Verlagssparte zunächst gestoppt.

In dem Telefonat mit dem AOL-Chef soll Thielen sich nun falsch verstanden fühlen, zitiert das "Wall Street Journal" weitere mit der Sache vertraute Kreise. Dies habe Thielen Mitarbeitern von Parsons auch umgehend mitgeteilt.

AOL beurteilt Fusion der Musiksparten skeptisch

Während Bertelsmann-Kreise laut Zeitungsbericht nun Optimismus verbreiten, dass eine Überführung der Musik-Aktivitäten in ein gemeinsames Joint Venture trotz des Scheiterns im Buch-Bereich gelingen werde, äußern sich AOL-Kreise eher skeptisch. An dem Musik-Joint Venture entscheide sich, ob die Zusammenarbeit von AOL und Bertelsmann insgesamt noch eine Chance habe, zitiert das "Wall Street Journal" einen AOL-Vertrauten. Bertelsmann wollte auf Anfrage keine Stellungnahme dazu abgeben.

Vor drei Jahren war der Versuch von Bertelsmann gescheitert, eine Fusion von BMG mit EMI zustande zu bringen. Der Deal platzte aufgrund des Vetos der Kartellbehörden. Branchenexperten beurteilten noch vor wenigen Wochen eine Fusion von BMG und der Warner Music Group als durchaus möglich. Ein Joint Venture von AOL und Bertelsmann sei die Lösung.

An dem Unternehmen, an dem beide Konzerne je fünfzig Prozent halten sollten, sollten nur Teile der jeweiligen Musiksparten eingebracht werden. Somit könnten die Schwierigkeiten mit den Wettbewerbshütern verringert werden, hieß es.

Bertelsmann: Die 17-Milliarden-Dollar-Klage Random House: Fusion steht auf der Kippe Bertelsmann: BMG sucht AOL

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