ProSiebenSat1 Rohner entert die Königsklasse

Kaum ist Haim Saban von der Bildfläche verschwunden, sichert sich die Sendergruppe von KirchMedia die Rechte an der Fußball Champions League. Künftig soll die Königsklasse Sat1 und N24 hohe Quoten einspielen.

München - Nach den Turbulenzen um die gescheiterte Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban, hat Urs Rohner wieder Oberwasser. Stolz verkündete der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat1 Media AG  am Mittwochnachmittag, dass die Sendergruppe sich die TV-Rechte an der Uefa Champions League gesichert hat.

Die Vereinbarung mit der Europäischen Fußballunion Uefa gelte ab der Spielzeit 2003/2004 und laufe über drei Jahre bis 2006, teilte das KirchMedia-Unternehmen mit. Branchenkenner schätzen den Preis auf knapp 30 Millionen Euro pro Saison.

Das Rechtepaket umfasst insgesamt 39 Live-Spiele und 90 Magazine, die das Spielgeschehen in der Uefa Champions League darstellen sollen. Sat1 werde das jeweils beste Spiel jeder Spielwoche live übertragen, heißt es. Die Zukunft der Sportsendung "ran" dürfte damit also gesichert sein. Zusätzlich zu Sat1 soll auch der hauseigene Nachrichtensender N24 über die Fußballereignisse berichten.

Quotenstarke Live-Events

Rohner, der sich nach dem Übernahme-Debakel wieder seiner Position sicher sein kann, betonte, der Kauf der Champions-League-Rechte sei mit einem Strategiewechsel der ProSiebenSat1-Gruppe im Programmbereich Sport verbunden: "Wir werden uns in der Fußballberichterstattung künftig vermehrt auf quotenstarke Live-Events konzentrieren, auf Spiele und Begegnungen, bei denen es für die beteiligten Mannschaften um alles oder nichts geht", heißt es in einer Mitteilung.

Seit Monaten verhandelt die Sendergruppe auch mit dem Schweizer Rechtevermarkter Infront über die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga. Doch die Senderfamilie unterstrich in der Vergangenheit, sie sei nicht mehr bereit, die zuvor pro Saison gezahlten 80 Millionen Euro zu investieren. Branchenkenner berichteten von einer Höchstgrenze von 50 Millionen Euro, die ProSiebenSat1 bereit sei zu zahlen.

Absage an die Bundesliga?

Angesichts herber Verluste im ersten Quartal, rechnen Branchenexperten nun allerdings damit, dass die Bundeliga kaum mehr ein Thema für die Sendergruppe sein wird. Champions League und Bundesliga könne das Unternehmen nicht gleichzeitig stemmen, heißt es. Ein Konzernsprecher sagte jedoch, auch am Erwerb der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga bleibe das Unternehmen interessiert.

Doch möglicherweise erhalten nun die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF bessere Chancen auf die Übertragungsrechte der Bundesliga. Auch Infront-Geschäftsführer Günter Netzer rechnet nun mit den Öffentlich-rechtlichen. Ein Comeback der "Sportschau" könnte bevorstehen. Zu denken gibt aber auch die Ankündigung von RTLs Informationsdirektor Hans Mahr: "Ich garantiere, dass es RTL ohne Fußball auf Dauer nicht geben wird. Vielleicht machen wir eine Pause - mehr jedoch nicht."

Verlustgeschäft Champions League

Der Kölner Sender hatte die Champions-League-Spiele mit einer kurzen Unterbrechung seit 1992 gezeigt. Zuletzt aber immer weniger Interesse an den Spielen gezeigt. So trauert RTL-Chef Gerhard Zeiler dem Wettbewerb auch nicht hinterher. "Mit der Champions League kann auch in Zukunft kein Sender auf eine schwarze Null kommen", dämpft Zeiler hohe Erwartungen.

Doch bei ProSiebenSat1 herrscht erstmal Champagner-Stimmung: "Die Uefa Champions League wird in den nächsten drei Jahren für Sat1 nicht nur ein wichtiges Programmelement sein, sondern auch das Profil des Senders nachhaltig prägen", jubelt Martin Hoffmann, Geschäftsführer des Senders Sat1. Davon müssen jetzt nur noch die Werbekunden und Zuschauer überzeugt werden.

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