Otto Schlechtes Geschäft mit verderblicher Ware

Der Versandhändler testete seit Monaten den Verkauf von Lebensmitteln über das Internet. Doch im Netz ist offensichtlich nicht viel zu verdienen. Otto stellt nun den Lebensmittelverkauf ein.

Hamburg - Der Otto-Konzern stellt den Verkauf von Lebensmitteln über das Internet ein. Schon Ende des Monats wird das Online-Experiment beendet. Damit bestätigen sich Branchengerüchte, dass es auch beim Otto-Versand mit dem Lebensmittelhandel nicht funktioniert hat.

Auf absehbare Zeit sei angesichts des negativen gesamtwirtschaftlichen Marktumfeldes mit einem ruinösen Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel kein betriebswirtschaftlich sinnvolles Absatzvolumen zu erreichen, verlautbarte der Konzern.

Otto ist mit dieser Einschätzung nicht alleine. Schon zuvor hatten sich diverse Lebensmittel-Einzelhändler wieder von ihren Online-Engagements verabschiedet - darunter Tengelmann und Spar. Darüber hinaus verschwanden zahlreiche Unternehmen, die rein auf den Internetvertrieb setzten. Mit Otto scheidet nun der letzte größere Anbieter von Lebensmitteln über das Internet aus dem deutschen Markt aus.

Der Versandkonzern hatte den Lebensmittel-Service unter www.otto-supermarkt.de im Mai 2000 gestartet. Zunächst bot Otto nur im Großraum Hamburg ein Lebensmittel-Vollsortiment an. Wenige Monate später expandierte Otto und weitete das Sortiment aus. Bundesweit wurden 2500 Produkten angeboten, in Hamburg kamen noch Frischeprodukte hinzu.

Der Markttest sei isoliert betrachtet erfolgreich gewesen und habe zu einer hohen Kundenzufriedenheit geführt, heißt es aus der Konzernzentrale. Doch offensichtlich war das Geschäft nicht erfolgreich genug.

"Das Lebensmittelgeschäft ist ganz anders als unser traditionelles Kataloggeschäft", sagte Otto-Sprecherin Brita Hemme gegenüber manager-magazin.de. "Derzeit profitieren vor allem die Discounter, die sich immer mehr zu Vollsortimentern entwickeln." Mit Convenient-Angeboten seien in einer derartigen Situation kaum genügend Kunden zu finden.

Dabei galt Otto, der als einer der größten Internethändler in Deutschland gehandelt wird, gerade mit seiner ausgefeilten Logistik als das Unternehmen mit den besten Voraussetzungen. Doch was mit der gängigen Katalogware funktioniert, lässt sich offenbar nicht auf die verderbliche Ware übertragen.

Das Geschäft mit Lebensmittel erwies sich bis auf wenige Ausnahmen schon recht früh als schwierig. Nachdem zu Internet-Hochzeiten dem Markt noch ein großes Potenzial zugesprochen wurde, öffnete nicht zuletzt die spektakuläre Pleite des US-Supermarktes Webvan im Jahr 2001 auch den Nicht-Branchenkennern die Augen. Webvan hatte fast 1,2 Milliarden Dollar verpulvert. Übrig bleib davon nichts.

Wie viel Geld Otto in seinen Internet-Supermarkt investierte, ist derzeit nicht bekannt. Mit Zahlen über Umsatz und Kunden hielt sich das Unternehmen immer zurück.

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