Online-Musicstores "Ich glaube, das Ganze ist eine Revolution"

Der furiose Start des "iTunes Music Stores" von Apple ruft Neider auf den Plan. Medien- und Computerkonzerne wollen mit Online-Shops für Musik-Downloads Geld verdienen. Besonders Microsoft könnte Apple das Geschäft vermiesen.

Los Angeles - Der erfolgreiche Start des "iTunes Music Store" von Apple  weckt offenbar Begehrlichkeiten. Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" haben verschiedene Medien- und Computerkonzerne vor, eigene Online-Shops für Musik-Downloads zu starten und damit dem Angebot von Apple Konkurrenz zu machen.

Schon bekannt war, dass Microsoft  und Amazon  mit dem Gedanken spielen. Nun berichtet die US-Zeitung auch von Bestrebungen bei Yahoo , AOL , und Viacom , den Betreiber des Musiksenders MTV.

Bisher im Markt ist neben Apple vor allem auch der Softwarehersteller Real Networks, der zwar noch eine monatliche Grundgebühr verlangt, sonst sich aber am Apple-Erfolgsrezept orientiert, Musiktitel ohne weitere Restriktionen für die Nutzer zu verkaufen. Real Networks, das auf Streaming-Software spezialisiert ist, hatte erst im April den Rhapsody-Besitzer Listen.com übernommen. Die Stärkung von Rhapsody wird in der Branche als Absage für den Musikanbieter Musicnet gewertet, an dem Real Networks mit 40 Prozent beteiligt ist.

Roxio, ein im kalifornischen Santa Clara ansässiges Unternehmen, hat auch große Pläne. Es hatte zuletzt den Online-Musikdienst Pressplay gekauft. Pressplay war in 2001 von Vivendi Universal und Sony mit großem Tamtam aus der Taufe gehoben - die Erwartungen wurden aber nie erfüllt. Trotz einer 60 Millionen Dollar schweren Investition blieben die zahlenden Musikliebhaber aus. Roxio hatte sich zudem auch Firmierung, Domain und Technologie-Patente von Napster gesichert. Roxio's Plan: Im Frühjahr 2004 - so die Ansage - will das Unternehmen die gescheiterte Musiktauschbörse als legales Geschäft wieder beleben.

Yahoo: Bislang nur Radio-Streamingdienst angekündigt

Yahoo hinkt der Entwicklung noch ziemlich hinterher. Der Portalbetreiber hatte jüngst seinen ersten kostenpflichtigen Radio-Streamingdienst angekündigt. Das Produkt mit dem Titel Launchcast Plus soll bei einem Jahresvertrag 35,99 Dollar kosten, für die monatliche Nutzung zahlt der Kunde 3,99 Dollar.

Apples Vorsprung ist indes nicht gerade gewaltig. Zum einen hat sich offenbar die Verkaufsquote bei 500.000 Titeln pro Woche eingependelt, zum anderen ist der Dienst nur für Mac-Nutzer und Inhaber einer US-amerikanischen Kreditkarte geöffnet. Ein Titel kostet 99 Cent. Eine Windows-Version soll bis Ende des Jahres folgen. Apple hat einen Anteil von rund drei Prozent am weltweiten PC-Markt. Die fünf größten Plattenkonzerne der Welt: Sony , Universal , Warner, BMG und EMI  machen mit. 200.000 Titel sind im Angebot.

Große Chance für Musikkonzerne

Für die Musikfirmen sind die Online-Shops eine große Chance. In Zeiten zurückgehender Umsätze bieten sich durch die Reichweite der an Musik-Angeboten interessierten Unternehmen enorme Absatzmöglichkeiten. Doug Morris, Chef der Musikfirma Vivendi Universal Music betont: "Ich glaube, das Ganze ist eine Revolution. Zum anderen gelten die genannten Unternehmen als seriöse Anbieter, die unter Lizenz kostenpflichtige Downloads anbieten - vor allem, um gegen illegale Angebote in Tauschbörsen zu kämpfen.

Dabei kommt den Musikkonzerne wohl ein Wettbewerb unter den Online-Shops sehr gelegen. Je mehr Shops es gibt, desto mehr Umsatzmöglichkeiten entstehen.

Unklar ist indes, wann Microsoft den Markteintritt wagt. "Kein Kommentar" hieß es dazu von der deutschen Pressestelle gegenüber manager-magazin.de. Auch Amazon wollte den Zeitungsbericht nicht weiter kommentieren. Ebenso verhielt sich Yahoo - die Attacke auf Apple soll wohl gut vorbereitet werden.

Apple: Wer tauscht denn da? Apple: Eine Million Downloads Apple: Music is my second live Pressplay: Verspielt und verkauft

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