KirchMedia Auf der Verliererbank

Die Übernahme durch den US-Milliardär Haim Saban ist gescheitert. In München herrscht dennoch kein Katzenjammer, sondern eher Erleichterung. Unterdessen melden sich die Altgesellschafter offenbar wieder zu Wort.

München - Die Übernahme des Kerngeschäfts der KirchMedia durch den US-Investor Haim Saban ist gescheitert. Ein Rückschlag für KirchMedia, die Banken, den Insolvenzverwalter und nicht zuletzt für ProSiebenSat1 . Noch immer ist keine abschließende Lösung für das ehemalige Kirch-Imperium gefunden. Wie geht es nun weiter?

"Es soll Ruhe einkehren", so der Wunsch. Dazu stärkte die Muttergesellschaft der ProSiebenSat1 zunächst demonstrativ dem Vorstandsvorsitzenden den Rücken. "Wir stehen voll hinter Herrn Rohner und werden sein strategisches Konzept unterstützen", erklärte ein KirchMedia-Sprecher.

Doch in der Branche wird gerätselt, was nun passieren soll. Inzwischen heißt es, die Filmbibliothek solle in ProSiebenSat1 eingegliedert werden. Allgemein gehen Branchenkenner davon aus, dass die Gläubigerbanken - dazu gehören die Commerzbank, DZ Bank die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank - zusammen mit KirchMedia beziehungsweise der Insolvenzverwaltung die Geschäfte vorerst weiter fortführen werden.

Doch an der Kompetenz der Banken, ein Medienkonzern zu führen, zweifeln Branchenkenner. Angesichts der hohen Schulden von KirchMedia, könnten die Finanzinstitute notwendige Investitionen verhindern - besonders für neue Filme. Das Programm von ProSiebenSat1 könnte veralten, lauten die Befürchtungen. Die Experten rechnen jedoch damit, dass sich die Banken mittel- bis langfristig aus KirchMedia lösen werden.

Bauer kommt vorerst nicht zum Zug

"Die wollen doch ihr Geld zurück", hieß es in Branchenkreisen. Bis zu zwei Jahren geben Experten den Finanzhäusern. Frühestens Anfang kommenden Jahres würden die Geldinstitute beginnen, sich nach einem neuen Käufer umzusehen. "Die Banken warten mit dem Verkauf so lange, bis sich der Werbemarkt wieder erholt hat und somit ein höherer Preis für die Sendergruppe ProSiebenSat1 zu erhalten ist", hieß die Prognose.

Die Pläne der Banken stoßen indes bei Wolfgang Taenert, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, auf Skepsis. Er kündigte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine rundfunkrechtliche Überprüfung und Genehmigung an. Zum einen sei nicht klar, welches publizistisches Interesse die Geldinstitute hätten und zum anderen dürfe ein staatliches Unternehmen wie die Bayerische Landesbank per Gesetz keinen Rundfunk veranstalten.

Wolf Dieter Ring, der Präsident der Bayerischen Landesmedienanstalt (BLM), widersprach indes der Kritik: "Ich teile diese Bedenken nicht", sagte Ring. Als Übergangslösung sei ein solches konzept in Ordnung. Allerdings dürfe das Engement der Banken keine Dauerlösung sein.

Altgesellschafter melden sich zu Wort

Dass die Bankmanager kurzfristig Gespräche mit dem Bauer Verlag aufnehmen werden, gilt als unwahrscheinlich. "Bauer will, dass die Banken auf Knien rutschen und bitten, die Sendergruppe zu kaufen", meinte ein mit dem Fall Vertrauter gegenüber manager-magazin.de. Doch darauf würden sich die Kredithäuser nicht einlassen. Zudem sei kaum zu erwarten, dass Bauer noch einmal rund zwei Milliarden Euro bieten werde.

Das Hamburger Verlagshaus beteuerte indes erneut sein Interesse an der Sendergruppe und der Filmbibliothek. Auch die Altgesellschafter Lehmann Brothers und der saudiarabische Prinz Al Walid haben angeblich ihren Willen zum Kauf erneuert. Selbst Saban habe den Plan, ProSiebenSat1 zu übernehmen, noch nicht aufgegeben, hieß es. Analysten beurteilten die Situation für die börsennotierte Sendergruppe als unbefriedigend: "Saban wäre die bessere Story gewesen."

Ziems in den Aufsichtsrat

"Wir stehen nicht unter Zeit- oder Verkaufsdruck", sagte wiederum ein KirchMedia-Sprecher. Auf der Hauptversammlung von ProSiebenSat1 am 16. Juni wird die Sendergruppe ihre künftige Strategie vorstellen - unter anderem soll eine dringend benötigte Kapitalerhöhung verabschiedet werden. Gerüchte, Senderchef Urs Rohner solle durch den derzeitigen KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems abgelöst werden, wurden am Donnerstag zerstreut. Ziems solle auf der Aktionärsversammlung für ein Aufsichtsratsamt vorgeschlagen werden.

Dass KirchMedia, die Insolvenzverwalter und die Banken seit Monaten an einem Alternativplan arbeiteten, zeigt nur zu deutlich, wie unsicher sich alle Beteiligten über den Handel mit Saban waren. Fast wirkt es, als sei Erleichterung zu verspüren, dass der Verkauf an den US-Milliardär geplatzt ist.

Dabei sah es anfangs so aus, als sei es nur noch eine reine Formsache, die letzten Details der Transaktion zu klären. Schon bald werde er ein Konsortium präsentieren, sagte Saban noch im März. Er habe einen ganzen Pool an Interessenten, die die Übernahme mitfinanzieren wollten, tönte er. Doch letztendlich hat sich der joviale Lebemann gründlich verschätzt. Am Ende fand er keine Co-Investoren und sein eigenes Geld wollte er nicht in die ehemaligen Kirch-Unternehmen investieren.

Stillose Verhandlungen

Es sei ein ganzes Konglomerat aus Gründen gewesen, die zum Scheitern geführt hätten, berichten informierte Kreise. Saban habe sich zum einem nicht mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) darüber einigen können, ein Angebot an die freien Aktionäre abzugeben - wie es das deutsche Übernahmegesetz vorsieht. Auch sei durch den ungünstigen Euro-Dollar-Kurs der Kaufpreis gestiegen und drittens wollten die Banken seinen Vorstellungen zum Umschuldungsplan nicht zustimmen. Eine Einigung über eine weitere Kreditlinie sei nicht zustande gekommen.

Darüber hinaus wurde auch immer wieder der Verhandlungsstil von Saban und seinen Vorkämpfern - Mitarbeiter von Rothschild, Ernst & Young und den Wirtschaftprüfern Hogan & Hartson - kritisiert. "Die Rothschilds haben sich fürchterlich aufgeführt", sagte ein Insider gegenüber manager-magazin.de. Die Verhandlungen hätten keinen Stil mehr gehabt. Letztendlich wollte Saban das Risiko nicht selbst tragen und nur auf Kosten der potenziellen Geldgeber die Fernsehgruppe und die Filmbibliothek sanieren. "Da hat er sich aber gründlich geschnitten."

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