KirchMedia Das Geschäft mit Saban ist geplatzt

Die Verhandlungen um die Übernahme der Kerngeschäfte der insolventen KirchMedia durch den US-Investor Haim Saban sind endgültig gescheitert. Der schillernde Lebemann aus Kalifornien fand offensichtlich keinen einzigen Co-Investor für sein Zwei-Milliarden-Projekt.

Frankfurt am Main - "Es ist vorbei", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus informierten Kreisen. Inzwischen bestätigte KirchMedia in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Pressebüro von Haim Saban die Agenturmeldung: "Beide Parteien sind in freundschaftlicher Atmosphäre auseinander gegangen mit der Absicht, weiter zu kooperieren."

Haim Saban sei am Mittwoch persönlich nach München gekommen, um noch einmal mit KirchMedia-Insolvenzverwalter Michael Jaffé zu sprechen, erfuhr Reuters. "Ich glaube nicht, dass Saban das Rad noch einmal zurückdrehen kann, es sei denn, er legt Geld auf den Tisch", hatte ein Beteiligter vor dem Treffen gesagt.

Wie manager-magazin.de aus verhandlungsnahen Kreisen erfuhr, gebe es drei Gründe für das Scheitern des geplanten spektakulären Mediendeals. Erstens habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Saban signalisiert, dass er an die freien ProSiebenSat1-Aktionäre eine Abfindung zahlen müsse. Zweitens habe der US-Millíardär keine Co-Investoren gefunden. Und drittens seien die Banken nicht bereit gewesen, einem Umschuldungsplan zuzustimmen.

Saban hatte sich im März in einem monatelangen Bieterwettbewerb um die Reste des Medienimperiums von Unternehmer Leo Kirch gegen den Bauer Verlag durchgesetzt und den Erwerb von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat1  und der Filmrechtebibliothek von KirchMedia für mindestens 1,7 Milliarden Euro vereinbart. In den Endverhandlungen bis zum für Mitte Juni geplanten Abschluss tauchten aber immer mehr Probleme auf.

Jetzt soll der Alternativplan umgesetzt werden

Nun will KirchMedia seinen Alternativplan, der bereits in der Schublade lag, umsetzen. Demnach sollen die Banken und KirchMedia die fällige Kapitalerhöhung von 200 bis 300 Millionen Euro selbst finanzieren - ganz grob je zur Hälfte, heißt es in Bankenkreisen. Die Filmrechtebibliothek werde umgeschuldet und weiterbetrieben. Neue Kredite seien nicht nötig, weil keine neuen Rechte eingekauft würden.

ProSiebenSat1 begrüßt den Plan B. Urs Rohner, Vorstandschef der Sendergruppe: "Wir sind davon überzeugt, dass die sich jetzt abzeichnende Lösung positiv auf unser Unternehmen auswirken wird. Damit verfügen wir über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der gesamten ProSiebenSat1-Gruppe."

Bauer Verlag: "Weiterhin zu Gesprächen bereit"

Indes zeigt sich der Heinrich Bauer Verlag an ProSiebenSat1 unverändert interessiert. Andreas Fritzenkötter, Sprecher der Verlagsgruppe, sagte gegenüber manager-magazin.de: "Wir fühlen uns in unserer Skepsis gegenüber den Verhandlungen bestätigt. Es gilt weiterhin, dass wir zu Gesprächen bereit sind, wenn die Banken und KirchMedia mit uns sprechen wollen." Ob Bauer jedoch noch den gleichen Preis bieten würde wie damals, gilt als unwahrscheinlich.

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