ProSiebenSat1 Saban hat noch zehn Tage Zeit

Die Übernahme der Sendergruppe und der Kirch-Filmbibliothek stockt weiter. US-Milliardär Haim Saban hat noch immer kein Geld überwiesen. Nun ist die Frist noch einmal verlängert worden.

Frankfurt - Die Verhandlungen des US-Investors Haim Saban mit verschiedenen Kreditinstituten über die Übernahme der Kerngeschäfte der insolventen KirchMedia sind weiterhin festgefahren (siehe: "Saban verliert die Lust").

Saban werde eine eigentlich Ende Mai fällige Summe von 525 Millionen Euro nicht überweisen, solange die Banken keine Zugeständnisse bei der Finanzierung der Filmrechtebibliothek und der Senderfamilie ProSiebenSat1 machten, heißt es aus verhandlungsnahen Kreisen.

Die KirchMedia-Gläubigerbanken hatten von Saban die Überweisung des Betrags als Zeichen dafür gefordert, dass er die Finanzierung der Übernahme tatsächlich auf die Beine stellen kann. Insolvenzverwalter Michael Jaffe hat sich unterdessen das Recht einräumen lassen, in den ersten zehn Juni-Tagen mit KirchMedia von dem Vertag zurücktreten zu können.

Gläubiger verprellt

Saban will Deutschlands größten TV-Konzern und die KirchMedia-Filmbibliothek für 1,7 Milliarden Euro übernehmen. Doch seitdem Saban den Vertag im März unterschrieb, zeigten sich immer mehr Probleme. Saban fand nicht die gewünschten Finanziers - wie manager-magazin.de berichtete -, zudem stieß er die Gläubigerbanken mit Forderungen vor den Kopf, zuletzt verprellte er auch noch die privaten Aktionäre.

Presseberichten zufolge verhandelt Saban derzeit noch mit mindestens zwei US-Investmenthäusern. Auch bei dem französischen Sender TF1 ist er noch vorstellig. In der Vergangenheit hatte der Medienunternehmer betont, das Geschäft auch selbst zu finanzieren zu können, was allerdings in der Branche bezweifelt wird.

Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen will Jaffe Saban die vollen zehn Tage Zeit geben, die fälligen 525 Millionen Euro für einen 36-prozentigen Anteil an ProSiebenSat1 zu überweisen und ein endgültiges Finanzierungskonzept vorzulegen.

Streit mit den Banken

"Anfang übernächster Woche ist der aller-, allerletzte Termin", hatte es geheißen. Ansonsten werde ein Alternativplan verfolgt. "Solange Saban keine Zusagen von den Banken hat, überweist er auch kein Geld", hieß es in verhandlungsnahen Kreisen.

Der US-Milliardär sehe vor allem zwei Probleme: Zum einen hakten die Verhandlungen mit den Kirch-Gläubigerbanken - BayernLB, Commerzbank, HVB und DZ-Bank - bei der Frage der Finanzierung eines neuen Kredits über 150 Millionen Euro für die Filmbibliothek.

Zum zweiten streite Saban mit einem Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank über eine 425-Millionen-Euro-Kreditlinie für ProSiebenSat1. Die Banken wollten diese kürzen und ihr Risiko vermindern. Saban wolle dagegen den vollen Spielraum erhalten. "Diese Knoten müssen durchschlagen werden", hieß es in den Kreisen.

Arbeit an Plan B

Gericht weist K-Capital-Klage ab

Zumindest einen (kleinen) Etappensieg errang Saban in dieser Woche. Das Oberlandesgericht in Frankfurt wies eine Klage des ProSiebenSat1-Gesellschafters K-Capital Partners ab.

Der Investor hatte die Finanzaufsicht BaFin verklagt, weil sie nicht auf die Forderung einging, K-Capital bei dem Verfahren in Sachen Saban hinzuzuziehen. Saban hatte beantragt, auf ein Pflichtangebot an die Kleinaktionäre verzichten zu dürfen. Die BaFin prüft derzeit diesen Antrag.

Viel Zeit bleibt Saban jedoch nicht. Ein weiterer Aufschub wird ihm sicher nicht gewährt. "Auf der Hauptversammlung von ProSieben am 16. Juni muss der Alternativplan schon präsentiert werden. Die Gremienbeschlüsse der Banken müssen dafür Anfang nächster Woche erfolgen", erläuterte ein Banker den Zeitdruck.

Eine Einigung mit Saban, der in einem monatelangen Bieterverfahren den Hamburger Bauer-Verlag ausgestochen hatte, sei trotz der momentanen Sackgasse möglich, heißt es. "Eine Lösung ist nicht ganz ausgeschlossen. Aber zurzeit ist das Finanzkonzept nicht erkennbar."

Arbeit an Plan B

Auf der ProSiebenSat1-Hauptversammlung sollte eigentlich ein neuer, mit Saban-Vertretern besetzter Aufsichtsrat gewählt und eine Kapitalerhöhung für die unter der Werbekrise leidenden Senderfamilie beschlossen werden. Eine alternative Liste mit AR-Vertretern aus dem Umkreis von KirchMedia und den Banken liegt bereits vor.

Denn ein Plan B liegt bereits in der Schublade. Sollten die Verhandlungen mit Saban scheitern, würden KirchMedia und die Banken die fällige Kapitalerhöhung von 200 bis 300 Millionen Euro selbst finanzieren - ganz grob je zur Hälfte, heißt es in Bankenkreisen.

Die Filmrechtebibliothek werde umgeschuldet und weiterbetrieben. Neue Kredite seien nicht nötig, weil keine neuen Rechte eingekauft würden. So könne das Geschäft überdauern, bis sich in ein oder zwei Jahren bei dann hoffentlich besserer Marktlage, ein neuer Investor finde.

ProSiebenSat1: Saban verliert die Lust ProSiebenSat1: K-Capital verklagt BaFin ProSiebenSat1: Saban vs. Rohner - ein pikantes Duell


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