Terra Lycos Telefónica will Terra ganz

Der spanische Telekomkonzern Telefónica will seine Internetbeteiligung vollständig übernehmen. Die Aktien des T-Online-Konkurrenten wurden vom Handel ausgesetzt.

Madrid - Der spanische Konzern Telefónica  strukturiert seine Online-Aktivitäten um. Wie das Unternehmen am Mittwoch der Madrider Börse mitteilte, will der Konzern nun seine Terra-Lycos-Beteiligung aufstocken und das Internetunternehmen  ganz übernehmen.

Der Verwaltungsrat habe ein Übernahmeangebot für das gesamte Kapital von Terra Lycos beschlossen, hieß es. Die Transaktion könnte ein Volumen von bis zu 1,726 Milliarden Euro umfassen. An der Börse wurden die Terra-Lycos-Aktien vorerst ausgesetzt.

Telefónica bot pro Aktie 5,25 Euro - 17,5 Prozent mehr als den Wert der letzten Notierung. Der Konzern hält bei Terra Lycos bereits einen Anteil von 38,5 Prozent. Telefónica knüpfte seine Übernahmeofferte jedoch an die Bedingung, dass der Konzern die Kontrolle über wenigstens 75 Prozent des Kapitals erhält.

Kein Werbevertrag mehr mit Bertelsmann

Terra Lycos bietet vor allem in der spanisch- und portugiesisch-sprachigen Welt seine Internetdienste an. Terra, das mit dem US-Unternehmen Lycos fusionierte, war 1999 mit seinen Aktien zu einem Ausgabepreis von 11,80 Euro an die Börse gegangen. Auf dem Höhepunkt erreichten die Papiere einen Wert von mehr als 140 Euro. Das Unternehmen ist auch an dem Internetunternehmen Lycos Europe beteiligt (29,6 Prozent).

Zuletzt machte Terra Lycos jedoch negative Schlagzeilen. Zwar galt das Unternehmen schon länger als attraktiver Übernahmekandidat, doch Analysten bemängelten, dass sich der spanische Internetdienstleister aus der Riege der Wachstumswerte verabschiedet habe. Im Gegensatz zu seinen europäischen Konkurrenten wie T-Online, Frankreichs Wanadoo und dem italienischen Tiscali habe die Telefónica-Tochter in den ersten drei Monaten einen Umsatzeinbruch erlitten.

Als Gründe nannte die Internetgesellschaft Anfang Mai den geplatzten Werbe- und Servicevertrag über 675 Millionen Euro mit der Bertelsmann AG sowie Währungsverluste des Euro gegenüber südamerikanischen Währungen und dem Dollar. Ein Sechs-Jahres-Werbevertrag mit Telefónica habe dies nicht ausgleichen können. Erst vor kurzem hat Terra Lycos unter anderem die Vermarktung von Breitbandanschlüssen für Telefónica übernommen.

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