Chipfabrik Dubai gibt nach

Durchbruch – im Streit um den Technologietransfer nach Dubai hat das Emirat offenbar nachgegeben. Ob die Produktionshalle nun gebaut wird, ist dennoch weiter offen.

Frankfurt/Oder - "Aussichtslose Kiste", urteilten Branchenexperten über den geplanten Bau der Chipfabrik in Brandenburg noch vor einigen Wochen. Seit Monaten ist der Bau gestoppt. Immer wieder heißt es, Investoren seien nicht zu finden oder Intel  könnte womöglich abspringen.

Die Chipfabrik in Brandenburg war einst das Prestigeobjekt des Landes. Doch von dem Projekt ist derzeit nicht viel mehr übrig als eine große Baustelle. Für die Finanzierung des 1,3 Milliarden Dollar teueren Vorhabens - ein Gemeinschaftsobjekt von Chiphersteller Intel, dem Emirat Dubai und dem Land Brandenburg fehlen Medienberichten zufolge noch etwa 650 Millionen Euro.

Seltsames Koppelgeschäft

Zuletzt durchkreuzte eine Forderung aus Dubai die die Suche nach Finanziers: Die Scheichs forderten, bei einer Pleite des Projekts müsse die Technologie an das Emirat übergeben werden. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns erteilte eine entsprechende Zusage. Doch damit verstieß er gegen bestehende Vereinbarungen der anderen Teilnehmer. Zudem wollte der Bund seine Bürgschaft zurückziehen. Die Zusage musste zurückgenommen werden. Die Scheichs hielten an ihrer Forderung jedoch fest.

Anfang Mai reiste Junghanns schließlich zu "Geheimverhandlungen" ("Tagespiegel") nach Dubai. Mit Erfolg. Das Emirat habe seine Forderung nach dem kostenlosen Transfer der Technologie des staatlichen Instituts für Halbleiterphysik (IHP) im Falle einer Insolvenz der Chipfabrik zurückgenommen, bestätigte Wolf Burschardt, Sprecher der Betreibergesellschaft Communicant, gegenüber manger-magazin.de. Beim Wirtschaftsministerium in Potsdam hält man sich dagegen mit Kommentaren zurück. Es werde an dem Projekt weiter gearbeitet, hieß es am Mittwoch nur.

Baukräne stehen still

Das Bauvorhaben hat in den vergangenen Monaten stark an Glaubwürdigkeit verloren. Nicht nur, dass der Chipmarkt weltweit einbrach. Auch andere Nachrichten verunsicherten: Irritiert wurde zum Beispiel ein Wechsel im Management des Betreibers Communicant wahrgenommen.

Dubios waren die Millionenzahlungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die schließlich auch zum Rücktritt von Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß führten. Ein überarbeiteter Businessplan versprach kaum mehr die hohen Gewinne, wie einst bei der ursprünglichen Planung. Austrittsklauseln der bisher gefundenen Finanziers ließen das Vertrauen weiter schwinden.

Anfang April schien schließlich vieles geklärt. Die Commerzbank war mittlerweile aus dem Finanz-Konsortium ausgetreten. ABN Amro übernahm. Dieser Teil der privaten Finanzierung sei gesichert, hieß es. Am Mittwoch will das Bankhaus jedoch nichts zum Thema Chipfabrik sagen.

Wie es jetzt weiter geht, bleibt trotz der wieder hergestellten Harmonie mit Dubai unklar. Die Finanzierung steht noch nicht, sagte Burschadt. "Wir warten erstmal ab." Grundsätzlich sei es aber immer noch möglich, den ursprünglich angepeilten Produktionsstart Ende 2004 zu schaffen. Doch bis auf weiteres stehen die Baukräne nach wie vor still.

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