Vivendi Universal Filmbesessener Familienclan

Die Bronfmans melden sich zurück. Der ehemalige Seagram-Chef und heutige Vize-Chef von Vivendi Universal plant den Rückkauf des US-Entertainment-Geschäfts.

Brüssel - Edgar Bronfman jr., der Vize-Chef von Vivendi Universal , will die amerikanische Unterhaltungssparte des Konzerns kaufen. Der Unternehmer werde sich dazu eine Gruppe von Investoren suchen, schreibt das "Wall Street Journal".

Ein Angebot ist bereits bei Vivendi Universal eingetroffen, bestätigte der Konzern mittlerweile. Es soll sich Presseberichten zufolge auf etwa 15 Milliarden Dollar belaufen. Eine Nachricht, die an der Börse offenbar wohlwollend aufgenommen wurde: Die Papiere legten zeitweise über drei Prozent zu.

Verschiedene Medien berichten, dass Bronfman Jr. bereits einige Partner gefunden habe. Darunter den US-Konzern Cablevision. Der Kabelbetreiber soll angeblich eine Sperrminorität zwischen 25 und 33 Prozent erhalten. Neben Cablevision sollen die Investmentbanken Wachovia Securities und Merrill Lynch die Übernahme durch Bronfman Jr. unterstützen.

Seagrams Millarden-Deal

Bronfman Jr. ist für Vivendi Entertainment kein unbekannter. Nicht nur dass der Manager Vize bei Vivendi Universal ist, Bronfman Jr. hatte vor rund drei Jahren als Chef des Mischkonzerns Seagram die Universal-Sparte an Vivendi verkauft. Der Deal wurde von Vivendis damaligen Chef Jean-Marie Messier vollzogen. Universal barg das Musik-, Fernseh- und Filmgeschäft des Seagram-Konzerns. Die Transaktion wurde auf rund 32 Milliarden Dollar geschätzt.

Ein Verlustgeschäft, wie sich herausstellte. Nicht nur Messier musste den Konzern verlassen, nun will sein Nachfolger Jean-René Fourtou will Vivendi Entertainment möglichst schnell wieder loswerden. Als Hinderniss könnte sich jedoch erweisen, dass auf den Käufer der Entertainment-Sparte wahrscheinlich Steuerzahlungen in Milliardenhöhe zukommen werden.

Davis, Apple und die Bronfmans

Zu den Interessenten für Vivendi Entertainment gehören bislang der US-Milliardär Marvin Davis, der Apple-Konzern sowie John Malone (Liberty Media). Davis galt bisher als aussichtsreichster Kandidat, ein offizielles Angebot hat er aber nach eigenen Angaben noch nicht vorgelegt.

Für die Musiksparte hatte sich in den vergangenen Monaten auch schon mal der Universal-Chef Doug Morris interessiert. Er wollte Universal Music übernehmen, unterstützt wurde er dabei von Apple und Bronfman. Doch da aus dem Geschäft offensichtlich nichts wurde, startet Bronfman Jr. einen neuen Versuch. Wie Vivendi Universal indes mitteilte, werden Edgar Bronfman und Edgar Bronfman Junior bis auf weiteres von sämtlichen Führungsgremien ausgeschlossen - bis eine Entscheidung gefallen ist.

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