T-Online "Wir wollen kein Fahrstuhl-Kandidat sein"

Zufriedene Gesichter auf der Hauptversammlung der Telekom-Tochter. Die Veranstaltung geriet zum Heimspiel für Vorstandschef Holtrop - doch einige Aktionärsvertreter zeigten sich nicht nur handzahm.

Darmstadt - Kein Grund zur Aufregung. Die Hauptversammlung des größten europäischen Internet-Portalanbieter T-Online  verlief in ruhigen Bahnen. Kein Wunder: T-Online hatte im ersten Quartal 2003 beim Vorsteuerergebnis erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Einige kniffelige Fragen hatten Aktionärsvertreter und Analysten dann aber doch auf dem Herzen.

Vorstandschef Thomas Holtrop wies in seiner Rede auf das "schwierige Jahr 2002" hin, um gleich hinzufügen: "Internet ist ein Wachstumsmarkt". Weltweit gebe es 580 Millionen Internetnutzer, in Deutschland seien es 33 Millionen.

Hinsichtlich der Konkurrenten meinte Holtrop: "Wir haben unsere Position an der Spitze der Internet-Provider deutlich ausgebaut." T-Online habe seine Kundenzahl in 2002 um 1,6 Millionen auf 12,47 Millionen erhöht. Fast 23 Prozent davon, nämlich 2,8 Millionen Kunden, würden Breitbandzugänge nutzen.

T-Online will das Geschäft mit Paid-Content weiter forcieren. "Die Kostenlos-Kultur nähert sich ihrem Ende". 2002 habe T-Online eine Vielzahl neuer kostenpflichtiger Angebote ins Netz gestellt. Acht bis zehn Prozent der T-Online-Kunden würden derartige Angebote nutzen.

Umsatzvergleiche - viele Möglichkeiten

Als Beispiele für zugkräftige Inhalte nannte der Manager die Berichterstattung der Fußball-Bundesliga, die Soap "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" sowie Live-Konzerte. Auch höherpreisige Angebote würden sich bald gut verkaufen. "Den Geburtsfehler", so Holtrop, "nicht auf Paid Content, sondern nur auf Werbung als Einnahmequelle zu setzen, haben wir behoben."

Holtrop ist sich sicher, dass T-Online Vision, das Breitbandportal, das mittels einer Settop-Box T-Online-Inhalte auf ein Fernsehgerät bringt, sich gut entwickeln wird. Diese Technik sei keine Konkurrenz zum TV-Gerät. Als erfreulich bezeichnete Holtrop auch die Entwicklung des Business-Portals und des Web-to-Mobile-Portals von T-Online.

Die weitere Konzernstrategie ist unweigerlich - darauf wurde in den Reden unermüdlich daraufhingewiesen - mit dem Ausbau von Breitbandnetzen in Europa verbunden. Hinsichtlich des Auslandsgeschäfts meinte Holtrop vage in seiner Rede: "T-Online ist auf Kurs für profitables Wachstum". Das Unternehmen belege in Frankreich den zweiten Platz, in Spanien den dritten Platz.

"Unser Geschäft ist nicht frei von Saisonabiltät"

Aktionärsvertreter und Analysten zeigten sich nach Holtrops Rede erfreut über die Geschäftsentwicklung von T-Online - allerdings nicht ohne detailliert nachzuhaken. "Warum ist der Umsatz im ersten Quartal 2003 im Vergleich zum vierten Quartal 2002 um drei Prozent gesunken?", wollte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wissen.

T-Online hatte nur eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahresquartal vermeldet. "Unser Geschäft ist nicht frei von Saisonabiltät", begründet Holtrop, "wenn das Wetter gut ist, verbringen unsere Kunden weniger Zeit im Netz." Dunkle Monate würde das größte Geschäftsvolumen bringen.

Genug flüssige Mittel

Genug flüssige Mittel

Weiteren HV-Besuchern brannte die Auslandsstrategie des Hauses auf den Nägeln. Doch Holtrop hielt sich mit konkreten Aussagen zurück. "Außer in Spanien und Frankreich ist die Landkarte noch weiß für Sie", meinte ein Teilnehmer, "wann wird T-Online aktiv?" "Wenn sich die Märkte konsolidieren", entgegnete Holtrop. "Wir steigen zur richtigen Zeit ein." Mit 3,7 Milliarden Euro verfügt T-Onlie hier über genug flüssige Mittel.

Auffällig: In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" wurde Holtrop hinsichtlich des Auslandsgeschäfts schon genauer: Wachstumschancen sehe er vor allem in Frankreich, hieß es vom T-Online-Chef. "Hier tun sich ein paar der seltenen Möglichkeiten auf, mit der Akquisition von breitbandigen Kunden mit zu wachsen". Holtrop schätzt, dass von den führenden Internetanbietern in Europa maximal drei übrig bleiben.

Mitarbeiterbestand bleibt konstant

Andere Publikumsfragen behandelten die Praxis von T-Online-hinsichtlich der Corporate-Governance-Regeln. So sei unter anderem das Aufsichtratsmitglied Martin Blessing - im Hauptberuf Vorstand der Commerzbank - in sieben Aufsichtsräten vertreten. Deutlich zuviel, monierten HV-Beobachter: "Wie kann man angesichts der heutigen komplexen Sachverhalte da noch richtig gute Arbeit abliefern?" "Wir halten uns an die gesetzlichen Bestimmungen", lautete die Antwort von T-Online-Seite.

Andere Teilnehmer der Hauptversammlung wollten vom Vorstand wissen, ob T-Online anstrebe, in den Dax aufgenommen zu werden. Das ist für das Unternehmen derzeit kein Thema. "Wir wollen kein Fahrstuhl-Kandidat sei und nicht schnell wieder raus fallen", begründet Holtrop die Zurückhaltung bei diesem Thema.

Gute Nachricht für die Belegschaft am Rande: In 2003 soll der Mitarbeiterbestand konstant bleiben. Zum Vergleich 2002 wurden noch 600 Personen eingestellt.

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